Autobiographisch oder nicht?

Veröffentlicht am Kategorisiert in Kreatives Schreiben

Wie viel (Eigen-)Leben steckt im Text der Autorin?

Hast du dich auch schon einmal beim Lesen eines Buches oder von Gedichten gefragt, wie viel eigenes Leben steckt im Text? Hat die Autorin oder der Autor da womöglich von sich selbst geschrieben oder dreht sich seine Geschichte um rein Ausgedachtes?

Bei Fantasy und Science-Fiction scheint diese Frage sehr leicht und schnell zu beantworten zu sein: ganz sicher nicht autobiographisch! Doch weit gefehlt.

Wenn meine Schreibschülerinnen und –schüler mir diese Frage stellen, antworte ich:
Alles und nichts!

Jede, die einen Stift in die Hand nimmt oder die Tastatur benutzt, schreibt zunächst nur das auf, was in ihrem Kopf passiert. Die Gedanken sind keine fremden (denn abschreiben ist zitieren und fremde für sich selbst auszugeben, ist Plagiat; aber darum soll es hier nicht gehen).

Wenn der Autor seine Gedanken verschriftlicht, sind es seine Worte und Sätze. Und wo ist deren Ursprung? In seinem Empfinden, seiner Vorstellung oder Erinnerung. Somit definitiv in seinem Er-Leben!
Denn auch wenn eine Krimiautorin noch nie ein Verbrechen begangen hat, entwickelt sie dennoch ihre Ideen aus ihr Vorstellbarem, Gehörtem, Gelesenem, Gesehenem und verwebt das zu ihrer ganz eigenen Story. Nur Szenen, die sie fähig ist, sich selbst auszumalen, können bildhaft aufgeschrieben und zum Leser transportiert werden.

Ich fotografiere sehr gern: mein Blick fühlt sich dabei meist von Details angezogen:-)

Dazu gehören all die Eindrücke, die uns täglich begleiten: Straßenlärm, streitende Menschen, weinende Babys, Filme, Bücher, der Discounter um die Ecke, die Natur, sämtliche Gefühle wie Liebe, Schmerz, Wut und Glück sowie die vielen Orte und Wege, die wir alle beschreiten, um nur ein paar dieser Impulsgeber zu benennen.

Jede einzelne Wahrnehmung ermöglicht uns erst, in unserem Kopf diese Eindrücke zu verbinden, zu verweben, neu zusammenzusetzen, in Worte zu fassen und in Texte fließen zu lassen.

Also achte in Zukunft beim Lesen – und natürlich Schreiben, selbst ab sofort genau darauf, was du hinter den Worten findest. Ganz oft wirst du feststellen, dass die Geschichte deinem Empfinden ähnelt, und wenn nicht, sie doch nachempfindbar geschildert ist – zumindest, wenn sie GUT geschrieben ist.

Willst du selbst packend, spannend und anschaulich schreiben, führe Tagebuch. Beobachte dich in deinem Leben, deinen Routinen und Erlebnissen. Notiere Anekdoten, wie du oder andere reagiert haben, was den Witz, die Essenz des Erlebten ausmacht. Sammle deine Notizen zur Natur, bestimmten Örtlichkeiten, die dich beeindrucken und bau dir damit eine Erzählkulisse auf. Halte dabei die Details, Gefühle und Begebenheiten fest. Hierbei ist egal, ob du das ausformulierst oder nur stichpunktartig notierst. Wichtig: Festhalten, sofort, unmittelbar, damit dir die vielen Facetten nicht verloren gehen, die jede Minute, jede Stunde, jeder Tag deines Er-Lebens dir schenken. Schau zu, wie deine Gedanken-Datenbank, auf die du beim Schreiben automatisch zurückgreifst, wächst und wächst.

Stift und Kladde immer zur Hand, um spontane Ideen festzuhalten

Nur dann schreibst du wieder-erlebbar und übst dich in der wesentlichen Kunst des Schreibens: Die Geschichte so zu erzählen, dass der Lesende sich hineinfinden kann in die Motivation der Handelnden. Und die Handlungsweise, das darfst du mir gern glauben, ist beobachtet, erträumt oder selbst erlebt und im Kopf der Autorin zu der von ihr erzählten Geschichte neu verbunden.

Alles und nichts – stimmst du mir zu?

Lass mir gern einen Kommentar hier und wir starten in den Austausch, das geht natürlich auch ganz einfach per E-Mail an info@gabi-kremeskoetter.de.

Weitere Infos stehen auf meiner Website https://www.gabi-kremeskoetter.de/dozentin/ als auch auf meiner Autorinnenseite https://www.gabi-kremeskoetter.de/autorin/.

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Deine Gabi (alias Juli Norden)

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