Schon im März habe ich bei der neuen Blogparade von Linda Kunze mitgemacht. Der Gedanke, sieben vielleicht kleine, aber wichtige Gedanken pro Monat festzuhalten, gefällt mir nach wie vor. Ich schreibe fast täglich ein Gedicht. Mal inspiriert von Begriffen, die andere in die Welt schleuderten, dann wieder über eigene Worte oder Schwingungen, die ich aufgreife und vertexte. Jene, die mich schon kennen, lesen meine Gedichte in meinem WhatsApp-Status, auf Instagram und Facebook unter meinem Autorinnen-Pseudonym Juli Norden.
Ich habe in 2026 aufgehört, diese Tagesgedichte als eigenen Blogartikel zu veröffentlichen, daher mag ich diese neue Blogparade von Linda Kunze dafür nutzen, meine Tagesgedanken in neuer Form in die Welt zu senden.
Mal als Gedicht, mal als einfacher Fließtext. Gedanken teilen, in Resonanz gehen und sie wirken lassen: Das ist für mich der Urtrieb jeden Schreibens. Ich bin gespannt auf den Austausch. Pünktlich am 7ten April stelle ich meine 7 Gedanken des Monats online. Hier sind sie:
Gedanke 1: Eine Trennung tut weh, auch wenn ich die Gründe verstehe.
Ja, ich habe Liebeskummer. Was groß, stark und hoffnungsvoll begann, endete aus Gründen, die ich für mich behalte. Doch soviel sei gesagt: Weder Bosheit, Absicht oder Falschheit stecken dahinter. Wenn eine Person gehen muss, weil sie keine Kraft für andauernde Zweisamkeit hat, bleibt tiefe Traurigkeit, auf beiden Seiten. Liebe allein reicht leider nicht immer, das habe ich verstanden – und noch vieles mehr. Vielleicht kann Freundschaft entstehen, das wird die Zeit zeigen … Aus diesem Zusammenhang heraus entstand mein Gedicht:
Tränenreich / der Wirklichkeit mit ihren / unterschiedlichen Wahrheiten / ins Auge sehen / Träume und Hoffnungen abklopfen / was kann werden / was bleibt Fiktion? / Abschiede fließen / aus dem Tränenreich / (c) Juli Norden 20.03.26

Gedanke 2: Ein würdiger Tod bedeutet würdiges Leben.
Mein Onkel starb in diesem Monat im Alter von 81 Jahren nach jahrelanger Krankheit. Sein Geist war bis zuletzt hellwach, nur sein Körper versagte nach und nach seinen Dienst. Er war ein blitzgescheiter Kopf, gebildet, belesen und vielseitig interessiert.
Unsere letzten Gespräche drehten sich um sein erinnertes Leben, er gab mir den Impuls, Goethes Faust zu lesen. Ich werde seine leuchtenden Augen nicht vergessen, als ich ihm erzählte, ich hätte Teil eins schon fertig. Am 23.03.26 haben wir ihm in gemeinsamer Trauerfeier gedacht.
Betäubt / tieftraurig nehme ich / Abschied und stehe / betäubt still / bin mir Schutzraum / und Spiegel einer Welt / deren Teil du / nicht mehr bist / (c) Juli Norden 23.03.26

Gedanke 3: Literatur entsteht erst, wenn das Buch aufgeschlagen und gelesen wird.
Diesen Satz sagte Navid Kermani bei seiner Lesung auf der lit.COLOGNE Mitte März. Ich war dabei, als er seinen neuen Roman „Sommer 24“ vorstellte. Für mich ist dieser Satz eine Essenz, die besagt, dass erst wenn wir Lesenden ein Buch zur Hand nehmen, es aufschlagen und lesen, die Worte und Sätze in Resonanz zu uns gehen, ein Schriftsteller seine Wirkung entfalten kann. Irgendwie ja auch logisch.
Denn ohne uns Lesenden ist ein Buch nichts. Nur bedrucktes Papier in einem Regal, gefüllte digitale Zeilen im Internet. Das Lesen als initiale Handlung des Literatur-Schaffens zu betrachten, rückt die gegenseitige Abhängigkeit von Schreibenden und ihrer Leserschaft in den Mittelpunkt der Diskussion, was Literatur ist. Wenn Worte Wirkung werden, hat ein Autor, eine Autorin alles richtig gemacht.
Navid Kermani hat mich mit seiner stillen Bescheidenheit und Intelligenz sehr beeindruckt.

Gedanke 4: Ohne Heimat in dir findest du keine neue.
Dieser Gedanke hat mich ein paar Tage beschäftigt. Entstanden aus der Überlegung, was Heimat für mich bedeutet, wo ich hingehöre oder mich zugehörig fühle. Menschen sind ein wichtiger Anker, doch manche kommen und bleiben nur eine gewisse Zeit an deiner Seite. Der Abschied lässt dich schlingern, wenn sie deinen Anker rausreißen, du Halt verlierst. Ohne Heimat in mir finde ich keine neue, so lautet meine Erkenntnis, aus der heraus dieses Gedicht entstand:
Mein Schatz / vergraben an einem Platz / bewusst bewahrt / sicher aufgehoben / in meinem Herzen / liegt ein Schatz der / mich aufbaut / mich nährt / mich hält / : Liebe / (c) Juli Norden 3o.03.26

Gedanke 5: Du mußt an die Welt glauben, um sie zu retten.
Gestern habe ich ein Buch ausgelesen, dass mich sehr, sehr beeindruckt hat. Die langsame Entwicklung der Story, die unterschiedlichen Erzählperspektiven, die sehr gute Sprache und am Ende ein Wahnsinnsfinale. Die Geschichte von sechs Jugendlichen, erzählt 15 Jahre später von nur drei Mitgliedern der Clique: Kala von Colin Walsh.
Ich werde bestimmt in meinem April-Rückblick noch mehr dazu verraten, doch obiges Zitat habe ich mir gemerkt. Der Zusammenhang dazu? Nun, wir leben im Hier und Jetzt. Ziehen Lehren aus der Vergangenheit, formen sie für die Zukunft. Doch was immer wir auch tun, in diesem Moment, ist das Einzige, was unsere Welt und eigenen Kosmos, in dem wir leben, beeinflusst.
Jede Schwingung, jedes Verhalten oder ausgesprochener Gedanke macht etwas. Mit uns, auch mit anderen. Und dadurch fließen wir ineinander, umeinander, miteinander. Nur, wer an das glaubt, was er tut, wird etwas bewirken. Im Kleinen als auch Großen.

Gedanke 6: Allein ans Meer zu denken, tut mir gut
Inspiriert durch einen neuen Kontakt mit dem Lyriker Leander Linnhoff auf Instagram habe ich tagesaktuell dieses Gedicht geschrieben. Er hat als Impuls die ersten beiden Zeilen aus einem eigenen Gedicht vorgegeben und ich bin ihnen gefolgt. Meine Zeilen spiegeln für mich Begegnung, Abschied, Loslassen und (m)einen Neuanfang, wo und wie, wann und mit wem auch immer, wider.
Allein ans Meer zu denken, tut mir gut. Eröffnet mir Weite und Frische, spült Glück und neuen Atem in meine Seele. Ich bin Norddeutsche durch und durch, trage auch diese Heimat stets bei mir. Sie hilft mir, Ordnung in mein Innenleben zu bringen. Gut so!
Ein anderes Meer / ein anderes Meer / andere Temperatur / und doch bist du bei mir / wohnst in meinem Herzen / siehst und hörst mich / ich atmete / deine Wärme / deine Berührung / deine Stimme / deine Liebe / an einem anderen Meer / anderer Temperatur / und doch bleibst du mir / wahrhaftig / (c) Juli Norden 07.04.26

Gedanke 7: Passivität akzeptieren ist auch eine Art von Stärke.
Ich zähle die Tage bis zu meiner Genesung. Habe mir vor genau 12 Tagen den linken Fuß gebrochen, laut Prognose der Ärztin wird mein Knochen noch 6 Wochen und 2 Tage für die Heilung brauchen. Als aktive Frau, die Bewegung als eine Energiequelle betrachtet, ist die Fortbewegung auf zwei Krücken (ich darf den Fuß nicht belasten) eine echte Herausforderung.
Ich bin langsam, mein Mobilitätsradius ist sehr klein, ich brauche unzählige kleine Schritte und Handgriffe, um mich im häuslichen Rahmen zu versorgen. Richtig viel Geduld mit mir und ungewohnte Abhängigkeit von anderen, die mir helfen müssen. Ich lerne, meine Passivität zu akzeptieren, nicht ständig daran zu verzweifeln, meinen inneren Motor viele Gänge herunterzuschalten.
Diese, mir von meinem Körper aufgezwungene Inaktivität auszuhalten und als Stärke zu interpretieren, hilft meiner mentalen Gesundheit. Trägt mich als neues Mantra von Tag zu Tag.

Soviel zu meinen 7 Gedanken des Monats, Ausgabe April 2026. Was könnten deine 7 Gedanken sein? Schon einmal darüber nachgedacht? Wenn nicht, mach mit bei Linda Kunzes Blogparade!
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Ich wünsche dir eine sonnige Zeit!
Herzlichst, Gabi

Gabi Kremeskötter
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Liebe Gabi,
danke für Deine Einblicke. Was für ein bewegender Monat für Dich. Ich drücke Dich fest. Und wünsche Dir Gesundung auf allen Ebenen.
Das ist ein schönes Format. Ich habe den Tab von Linda seit Deiner letzten Anregung gespeichert. Danke für den Impuls.
Herzliche Grüße und gute Wünsche
Martina
Liebe Gabi,
erstmal alles Liebe für Dich und natürlich weiter gute Besserung. Ich sah einige Deiner Gedichte auf Instagram und hatte schon so ein Gefühl. Ich schicke Dir eine liebe virtuelle Umarmung.
Heimat ist ein Thema, was derzeit sehr viele umtreibt. Auch ich habe im März einen Blogeintrag dazu geschrieben und seitdem begegnet mir das Thema überall.
Den Satz von Navid Kermani habe ich schon in Deinem Rückblick gelesen und seitdem denke ich darüber nach. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihm zustimme. Aber ein bißchen muss ich noch drüber nachdenken.
Liebe Grüsse
und vor allem: Hab ein tolles Wochenende ! Aus Gründen
Britta