Viele, die mit dem Schreiben beginnen, schreiben erst einmal drauflos. Das ist gut so. Alles soll hinaus: Gedanken, Bilder, lose Fäden. Eine Ursuppe entsteht, aus der später deine Geschichte wachsen kann. Doch nach dieser ersten Welle beginnt die eigentliche Arbeit. Beim zweiten oder dritten Lesen zeigen sich die Stellen, an denen der Text schwer wirkt. Sätze stolpern, Aussagen bleiben vage, die Handlung verliert an Tempo.
Genau hier lohnt sich ein genauer Blick auf Formulierungen. Zwei Dinge begegnen mir im Lektorat besonders häufig: Passivkonstruktionen und zu viel Konjunktiv. Beide haben ihre Berechtigung. Doch wenn sie sich häufen, entsteht Distanz. Die Figuren handeln nicht mehr, es wird gehandelt. Und plötzlich scheint vieles nur noch möglich, statt klar zu sein. Schauen wir uns diese Feinheiten genauer an.
Lektorat: Passiv und Konjunktiv, zwei stille Bremsen in deinem Text
Passivkonstruktionen lassen im Text unklar bleiben, wer eigentlich handelt. Aktiv formulierte Sätze bringen Figuren in Bewegung und machen Szenen lebendiger.
Der Konjunktiv schafft Distanz und eignet sich vor allem für Zweifel, Gedanken oder indirekte Rede. Häuft er sich jedoch, verliert dein Text an Klarheit und Entschlossenheit.
Beim Überarbeiten lohnt sich deshalb ein gezielter Blick auf „wurde“, „würde“ und ähnliche Formulierungen. Oft reicht eine kleine Umstellung, damit Handlung, Tempo und Nähe entstehen.
Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, begleite ich dich im Rahmen meiner 1:1-Schreibbegleitung „Idee wird Text. Jetzt“ vom Rohentwurf bis zum klaren, stimmigen Text.
Passivkonstruktionen: wenn niemand handelt
Eine Passivkonstruktion erkennst du daran, dass etwas geschieht, ohne dass klar ist, wer handelt. Der Satz wirkt indirekt. Oft steht ein „wurde“, „ist worden“ oder „wird“ darin. Das Problem daran ist: Die Handlung verliert an Kraft. Der Text wird langsamer, die Szene blasser.
Passivkonstruktion Beispiel 1
Passiv: Die Tür wurde geöffnet. Der Schlüssel wurde auf den Tisch gelegt.
Aktiv: Anna öffnete die Tür. Sie legte den Schlüssel auf den Tisch.
Du siehst: Im Aktiv entsteht sofort die Figur Anna. Die Szene kommt in Bewegung. Wir sind näher dran.
Passivkonstruktion Beispiel 2
Passiv: Der Brief wurde gelesen und anschließend weggelegt.
Aktiv: Er las den Brief und legte ihn anschließend weg.
Du siehst: Der zweite Satz ist direkter. Wir sehen die Handlung, statt nur das Ergebnis.
Passivkonstruktion Beispiel 3
Passiv: Es wurde entschieden, dass die Reise abgesagt wird.
Aktiv: Sie entschieden, die Reise abzusagen.
Oder noch klarer: Maria sagte die Reise ab.
Du siehst: Je konkreter du wirst, desto lebendiger wird dein Text. Passiv verschleiert, Aktiv zeigt.
Das bedeutet nicht, dass Passiv immer falsch ist. Manchmal willst du bewusst offenlassen, wer handelt. Oder der Fokus liegt auf dem Geschehen selbst. Dann passt Passiv gut. Doch wenn sich diese Konstruktionen häufen, verliert dein Text an Energie.
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Der Konjunktiv: wenn alles auf Abstand geht
Der Konjunktiv drückt eine reine Möglichkeit, Vermutung oder indirekte Rede aus. Typische Wörter sind: würde, könnte, hätte, wäre, sollte. Der Konjunktiv schafft Distanz. Das kann gewollt sein. Doch zu viel davon macht deinen Text unsicher und weich.
Wann der Konjunktiv gut passt
Bei Gedanken, Vermutungen oder Unsicherheit:
Beispiel: Sie fragte sich, ob er noch kommen würde. Vielleicht hätte sie anders reagieren sollen.
Hier unterstützt der Konjunktiv die Stimmung. Zweifel und Unsicherheit werden spürbar.
Wann der Konjunktiv deinen Text schwächt
Beispiel 1
Zu viel Konjunktiv: Sie würde die Tür öffnen und nachsehen, ob jemand da wäre.
Klarer im Indikativ: Sie öffnete die Tür und sah nach, ob jemand da war.
Du siehst: Durch die Verwendung der aktiven Verform, des Indikativs, wird die Handlung konkret. Der Satz bekommt Tempo.
Beispiel 2
Zu viel Konjunktiv: Er würde versuchen, ruhig zu bleiben.
Klarer im Indikativ: Er versuchte, ruhig zu bleiben.
Du siehst: Durch den Indikativ wirkt die zweite Version entschlossener. Sie verursacht weniger Abstand zur handelnden Person, zeigt dafür mehr Präsenz.
Beispiel 3
Zu viel Konjunktiv: Sie würde ihm sagen, dass sie gehen müsste.
Klarer im Indikativ: Sie sagte ihm, dass sie gehen musste.
Du siehst: Der Konjunktiv schiebt die Szene in die Zukunft oder ins Ungefähre. Der Indikativ holt sie in den Moment und du lässt deine Protagonistin unmittelbar handeln.
Wann Passiv und Konjunktiv sinnvoll sind
Passiv eignet sich, wenn der Handelnde unwichtig ist oder bewusst verborgen bleiben soll. Auch in sachlichen Texten schaffst du damit eine gewisse Ruhe und Unaufgeregtheit im Thema.
Der Konjunktiv passt bei Unsicherheit, inneren Gedanken oder indirekter Rede. Diese Möglichkeitsform lässt deine Figuren zögerlich wirken oder baut Spannung auf.
Doch in erzählenden Texten gilt: Zu viel davon bremst. Handlung braucht Klarheit und Figuren aktive Verben. Aussagen gewinnen dadurch an Kraft, stehen eindeutig und klar, haben, anders ausgedrückt „Boden unter den Füßen“.
Auf den Punkt gebracht
Passiv nimmt Handlung aus dem Satz. Zu viel Konjunktiv nimmt Sicherheit aus der Aussage. Beides zusammen nimmt deinem Text Tempo. Beim ersten Entwurf darf das alles sein.
Beim Überarbeiten lohnt sich dein Blick darauf. Stelle dir bei der Durchsicht diese zwei Fragen.
- Wo berichtest du nur, statt zu zeigen?
- Wo lässt du deine Figuren nur vermuten, statt entschieden zu handeln?
Genau hier setzt mein Lektorat an. Ich schaue auf diese leisen Bremsstellen. Auf Formulierungen, die Distanz schaffen. Auf Sätze, die stärker wirken könnten, wenn sie klarer und direkter sind.
Wenn du gerade an einer Idee arbeitest und merkst, dass dein Text noch unscharf wirkt, begleite ich dich gern dabei. In meiner 1:1-Schreibbegleitung „Idee wird Text. Jetzt“ entwickeln wir aus der Ursuppe Schritt für Schritt eine stimmige Geschichte. Mit klaren Sätzen, lebendigen Figuren und einem Tempo, das trägt.
Schreib mir gerne, wenn du Unterstützung brauchst!
Mit KREativen Grüßen
Gabi

Gabi Kremeskötter
Liebe, die durch Worte strahlt
Freie Rede – Schreibworkshops – Lektorat
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