Was Verplappern mit spontanem Schreiben zu tun hat

Veröffentlicht am Kategorisiert als Persönliches
Gabi Kremeskötter vor den Weinbergen bei Traben-Trarbach, daneben steht "Was Verplappern mit spontanem Schreiben zu tun hat"

In der 68. Blognacht von Anna Koschinski lautet das Impulswort „Verplappert“. Oha, was mache ich damit nur? Ich bin Dozentin für KREatives Schreiben und ich glaube, im Moment fühle ich mich genauso wie viele meiner Schreibkurs-Teilnehmer:innen: überrumpelt, leicht überfordert und gleichzeitig sehr gespannt, was mir zu diesem Begriff einfällt.

Also stelle ich mir meinen Wecker auf 3 Minuten und schreibe erst einmal ungefiltert, unzensiert und spontan drauflos. Ohne große Überlegungen. Ohne den Anspruch, dass daraus etwas „Perfektes“ entstehen muss.

Wobei … ganz ohne Punkt und Komma dann vielleicht doch nicht. Das fällt mir vermutlich zu leicht, grammatikalisch korrekt zu schreiben. Kein Wunder eigentlich, ich arbeite nebenberuflich schließlich auch als Korrektorin und Lektorin. Aber zurück zum Verplappern …

Was Verplappern mit spontanem Schreiben zu tun hat

Dieser spontane Blogartikel entstand aus dem Impulswort „Verplappert“ während der 68. Blognacht von Anna Koschinski.
Ich nehme dich mit in einen ungefilterten Schreibprozess und zeige, wie aus spontanen Gedanken ein authentischer Text entstehen kann.
Dabei geht es um Gespräche, echtes Zuhören, verlorenes Zeitgefühl und die Freude am ehrlichen Austausch.
Der Text macht sichtbar, wie Schreiben in Bewegung kommt, wenn der innere Perfektionsdruck leiser wird.
Denn Worte müssen nicht immer druckreif sein, um Menschen zu berühren.
Vielleicht entsteht genau dort die größte Echtheit: mitten im unzensierten Schreiben.
Eine Einladung, dich selbst einfach einmal schreibend zu „verplappern“.

Zwei Arten des Verplapperns

Im Grunde fallen mir zwei Ausprägungen ein. Die erste: ein Geheimnis verraten, das mir vertrauensvoll erzählt wurde, und dieses dann versehentlich weiterplappern.

Ich muss meinen Erinnerungsfilter dafür allerdings seeehr scharf stellen, um einen solchen Fauxpas hervorzuholen. Und keine Chance: Mir fällt keiner ein. Liegt das daran, dass mir niemand Vertrauen schenkte? Oder doch eher daran, dass ich einfach kein Plappermaul bin? (An dieser Stelle sind die drei Minuten schon vorbei. Ich ignoriere den Wecker und schreibe einfach weiter, läuft gerade so gut!)

Ich wünsche mir für mich die zweite Variante. Und ja, ich glaube tatsächlich, genau dort gehöre ich hin:

Mich in Gesprächen verlieren

Die zweite Variante des Verplapperns kenne ich nämlich nur zu gut: Irgendwo mit irgendwem die Zeit vergessen. Erzählen. Zuhören. Nachdenken. Weiterreden. Das ist mir sehr vertraut. Ich habe schon immer viel und gerne geredet, allerdings meistens auch etwas zu sagen.

Zudem liebe ich Diskussionen. Wenn sie ernsthaft geführt werden. Wenn ehrlicher Austausch entsteht. Selbst dann, wenn Meinungen auseinanderklaffen. Irgendetwas lerne ich meistens dazu oder mein Gegenüber vielleicht von mir.

Und manchmal geht es gar nicht darum, Recht zu haben. Sondern darum, einander besser kennenzulernen und zu erspüren: Passt das mit uns oder eben nicht?

Im geschäftlichen Bereich ist natürlich eine gewisse Zurückhaltung wichtig. Nicht alle Kund:innen muss ich lieben. Aber Respekt ist unverzichtbar. Und wenn zusätzlich noch die gleiche Wellenlänge dazukommt, wird vieles leichter.

Nicht jedes Gespräch verdient Tiefe

Im Privaten habe ich mir in den letzten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, angewöhnt, mich nicht mehr mit jedem intensiv und auslaugend zu befassen. Nur diejenigen, die mir auf gleicher Ebene und mit ehrlichem Interesse begegnen, bekommen meine volle Aufmerksamkeit.

Ich bin neugierig. Sehr sogar. Und ich bin ungeduldig. Diese Mischung kann manchmal eine gewisse Überforderung beim anderen auslösen, ohne dass ich das bewusst beabsichtige.

Ich bin allerdings kritikfähig und dankbar, wenn mich jemand im Gespräch darauf hinweist. „Lass mich bitte ausreden.“ Oder: „Jetzt hast du mich unterbrochen, ich war noch nicht fertig.“ Solche Sätze bremsen mich ein, und das ist völlig in Ordnung. Denn natürlich möchte auch ich ausreden dürfen.

Wenn Gespräche Zeit vergessen lassen

Ja, nun schreibe ich bereits seit mehr als 20 Minuten. Die Uhr zeigt 20:55 Uhr und meine Gedanken fließen langsamer. Habe ich ein Schlusswort? Vielleicht dieses: Ich mag es, Zeit zu verplappern.

Denn wenn ich einem Menschen begegne, mit dem nach der ersten Viertelstunde echter Dialog entsteht, kenne ich kaum etwas Wertvolleres als dieses Gespräch miteinander.

Dann kann gut und gerne eine Stunde, zwei oder auch drei vergehen, ehe ich merke, wie viel Zeit bereits vergangen ist. Selbst eine Nacht kann zum Tage werden, wenn das Gegenüber ebenso erzählfreudig und interessiert ist.

Vielleicht ist genau das spontanes Schreiben

Und damit „habe ich fertig“ für heute. Ich lese meine Zeilen jetzt noch einmal durch, korrigiere minimal Tippfehler und gebe meinen Absätzen Zwischenüberschriften, damit zumindest eine gewisse Struktur meinen spontanen Text lesefreundlich gestaltet. Danach traue ich mich tatsächlich, diesen Text genau so frisch, wie ich ihn mir von der Seele geschrieben habe, direkt zu veröffentlichen.

Denn auch das ist ein Wesen des Verplapperns: Worte müssen nicht immer druckreif sein. Sie dürfen ausufern, abschweifen, fließen und einfach da sein. Vielleicht entsteht genau dort Authentizität, auch Leichtigkeit.

Danke an Anna für diese Idee, mich einfach einmal mit mir selbst zu „verplappern“. Und nun freue ich mich auf die nächste Verplapperung. Mit wem das wohl sein wird? Ich lasse mich überraschen.


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Frau vor Efeuwand schaut durch das Fingerloch ihrer rechten Hand und lächelt

Vielleicht verplappern wir uns dort einfach gemeinsam einmal:-)

Mit KREativen Grüßen
Gabi


Lächelnde Frau vor Efeu-Wand mit einem Notizbuch in der Hand, darauf der Claim "Liebe, die durch Worte strahlt"

Gabi Kremeskötter

Liebe, die durch Worte strahlt

Freie Rede – Schreibworkshops – Lektorat


Von Gabi Kremeskötter

Geb. 1966 in Pinneberg, wohnhaft in D-56841 Traben-Trarbach/Mosel/Rheinland-Pfalz, Dozentin für KREatives Schreiben, Lektorin & Korrektorin, Freie Rednerin für Trauungen, Kinderwillkommensfeste und Trauerfeiern, Autorin Juli Norden. Mehr zu mir und meinem Schaffen findest du auf meiner Über-mich-Seite.

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