Vor ein paar Wochen erhielt ich die Einladung, auf einer Hochzeitsmesse als Ausstellerin einen Stand zu buchen. Meine Auftragszahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen, weil ich meine Leistung als Freie Rednerin immer weniger deutlich herausgestellt habe. Die Teilnahme wäre also folgerichtig der Schritt zu mehr Sichtbarkeit gewesen.
Ich habe hin und her überlegt, die Kosten für Standgebühr, Werbematerial, Messebau und Dekoration gegen meinen deutlich spürbaren Widerwillen abgewogen: Will ich das wirklich? Heraus kam eine klare Entscheidung: Nein. Ich will mich nicht derart sichtbar als Teil der Hochzeitsmaschinerie präsentieren. Lieber verzichte ich auf Aufträge.
Mein Start als Hochzeitsrednerin
Als ich als Freie Rednerin startete, hatte ich mich mit der gesamten Hochzeitsbranche noch gar nicht wirklich auseinandergesetzt. Ich betrachtete anfangs nur meinen kleinen Teil einer Heirat: die Rede, das Zeremoniell, die Menschen vor mir, denen ich mit persönlichen Worten einen zauberhaften Rahmen schaffe für ihr Ja-Wort. Doch je mehr Paare ich verheiratete, desto mehr Einblick erhielt ich in eine Maschinerie, der sich kaum ein Paar entziehen kann.
Zunehmend überrascht, irgendwann regelrecht entsetzt, registrierte ich, was eine „ganz normale Hochzeit“ heute kostet. Unvermutet war ich, ohne es je bewusst angestrebt zu haben, Teil eines Systems geworden, das ich heute kritisch sehe.
Auch fühle ich mich als Person, die Natürlichkeit und Ehrlichkeit über alles schätzt, zunehmend irritiert und zum Teil auch abgestoßen von der Glamourwelt, die automatisch hochgezogen wird, kaum dass das Wort Hochzeit auftaucht.

Was diesen Artikel ausgelöst hat
Der auslösende Funke für diesen Artikel kam von Haruki Murakami: Eine Passage eines Buches „Von Beruf Schriftsteller“ beschreibt er sinngemäß, dass wir bei allem, was uns wirklich wichtig ist, zwangsläufig auf Dinge stoßen, die sich falsch anfühlen, die uns die Freude nehmen und aufgesetzt wirken – und dass wir dann noch einmal ganz von vorn anfangen und uns konsequent von genau diesen Elementen trennen sollten (Murakami, Von Beruf Schriftsteller, S. 75).
Genau das ist mir mit nötigen Werbeaktionen für meine Arbeit als Traurednerin passiert: Sie fühlten sich nicht mehr richtig an. Also habe ich mich entschlossen, mich davon zu trennen und nicht mehr offensiv am Kundenfang durch öffentliche Präsentation auf Empfängen, Netzwerk-Treffen der Hochzeitsdienstleister:innen, Messen und Werbemedien teilzunehmen.
Ich möchte in diesem Beitrag erklären, warum ich als Freie Traurednerin nicht mehr aktiv für meine Leistung werbe: nicht, weil ich meine Arbeit nicht voller Begeisterung mache, sondern weil ich, ohne es zu wollen, Teil einer Hochzeitsindustrie geworden bin, deren Wirkmächtigkeit, Erscheinungsbild und Preisspirale ich inzwischen sehr skeptisch gegenüberstehe.

Worüber ich nicht geredet habe: die Kostenspirale der Hochzeitsindustrie
Ich schweige seit 2024 zunehmend darüber, wie unwohl mir bei den Traumweltinszenierungen der Hochzeitsdienstleister und vor allem den dafür abverlangten Preisen wird. Die inzwischen ganz selbstverständlich mitschwingen, kaum dass der Satz „Wir wollen heiraten.“ ausgesprochen ist.
Ich habe meine Werbeaktivitäten für mein Angebot langsam einschlafen lassen, mehr oder weniger unbewusst zunächst. Ich habe vier Saisons gebraucht, bis aus diesem leisen Unbehagen meine klare Haltung wurde: 2025 habe ich noch vier Trauungen durchgeführt, 2026 nur noch eine einzige.
Insgesamt habe ich seit 2021 26 Freie Trauungen vollzogen. Genug, um die Maschinerie dahinter wirklich kennenzulernen. Gegenüber Kolleg:innen habe ich das nie offen ausgesprochen, gegenüber Brautpaaren erst recht nicht, schließlich war ich, ohne es je bewusst angestrebt zu haben, selbst Teil dieses Systems.
Ich habe nie für die Hochzeitsindustrie geworben, nur für mich als Freie Rednerin. Aber genau diese Eigenwerbung hat mich zu einem Rädchen in einer Maschinerie gemacht, die sich Brautleute inzwischen buchstäblich vom Munde absparen müssen.
Ein Brautstrauß aus denselben Schnittblumen, die im Laden nebenan ein Drittel kosten würden, wird auf einmal dreistellig, sobald das Wort „Braut“ fällt. Fotograf, Location, Deko, Musik, das Standesamt, das Essen, die freie Rede, die Outfits: Jeder einzelne Posten für sich genommen wirkt vertretbar, in der Summe ergibt er einen Betrag, für den vor allem junge Menschen jahrelang sparen müssen.
Und das in einer Zeit, in der ohnehin schon fast alles im Alltag teurer geworden ist: Miete, Lebensmittel, Energie. Die Kosten der Hochzeitsindustrie kommen für viele Paare da einfach noch obendrauf; wer, bitte schön, soll sich das noch leisten können?

Kurzer Kostenüberblick 2026
Laut aktuellem Wedding Report liegen die durchschnittlichen Hochzeitskosten in Deutschland 2026 bei 17.006 Euro, ohne Flitterwochen und Verlobungsring – ein deutlicher Anstieg gegenüber 15.629 Euro im Jahr 2025. Die typischen Einzelposten:
| Posten | Ø Kosten 2026 |
|---|---|
| Brautkleid | rund 1.832 € |
| Herrenmode | rund 1.070 € |
| Fotograf | rund 1.656 €, typische Spanne 800–3.000 € |
| Deko, Floristik, Papeterie | rund 2.260 € insgesamt (davon 809 € Floristik, 1.113 € Dekoration, 338 € Papeterie) |
| Brautstrauß | ca. 80–200 € |
| Location & Catering | im Schnitt rund 62 € pro Person nur fürs Catering |
| Torte/Nachspeise | rund 360 € |
| Freie:r Trauredner:in | meist 700–1.500 €, teils bis 2.000 € |
| Standesamt (Gebühr) | ab ca. 50 €, regional unterschiedlich |
Zum Vergleich: 28 % der Paare bleiben zwar unter 10.000 Euro, die mittleren 50 % liegen zwischen 10.000 und 22.000 Euro, rund 13 % geben mehr als 26.000 Euro aus. Die Spanne ist also riesig, aber der „Standard“, mit dem auf Messen und in Anzeigen geworben wird, orientiert sich meist am oberen Ende.
Diese Zahlen basieren auf einer Befragung von mehr als 2.000 verlobten und frisch verheirateten Paaren in Deutschland.
Damit eines klar ist: Meine Kritik richtet sich gegen das System, nicht gegen die Menschen darin. Ich spreche den Hochzeits-Dienstleister:innen ihre Berechtigung nicht ab! Fotograf:innen, Floristinnen, Locations, auch Kolleginnen, die weiterhin auf Messen präsent sind, leisten wertvolle, oft unterschätzte Arbeit. Es geht mir nicht um den Vorwurf an Einzelne, sondern um ein Gesamtbild, das sich verselbstständigt hat.

Warum ich dachte, Kritik daran sei unprofessionell
Niemand hat mir explizit gesagt: „Kritisiere die Branche nicht, von der du lebst.“ Aber die Botschaft war trotzdem da, vor allem auf Instagram. Das Bild, das dort von professionellen Hochzeitsdienstleistungen gezeichnet wird – perfekte Fotoshootings, immer ausgefallenere Locations, Schlösser, Burgen, Strände, mitunter Übersee – spiegelt einen völlig aus dem Ruder laufenden Wettbewerb um die schönste, dekorativste, außergewöhnlichste Hochzeit wider.
Der Druck, der sich dadurch ungewollt auf Paare legt, ist immens: Auch sie wollen ihre Hochzeit schließlich als DEN Tag, als wahrgewordenen Traum verstanden wissen. Ich habe früh gelernt: Wer in diesem Umfeld sichtbar ist, verkauft den Traum mit, nicht die Rechnung dahinter.
Ich hatte Sorge, dass ich mir selbst schade, wenn ich öffentlich sage: „Ich finde, das ist zu teuer geworden“. Als würde ich damit auch meinen eigenen Preis infrage stellen oder Kolleg:innen vor den Kopf stoßen. Dabei geht es mir nicht um meinen Preis, sondern um die Rolle, in die ich durch meine eigene Sichtbarkeit hineingerutscht bin, ohne sie mir bewusst ausgesucht zu haben.

Was ändert sich, wenn ich meine Haltung zeige
Ich spreche diese Haltung heute zum ersten Mal so deutlich aus – und das verändert schon beim Schreiben etwas in mir: Ich werde keine Werbeposts zu Freien Trauungen mehr auf Instagram veröffentlichen und auch keine weiteren Blogartikel schreiben, die ausschießlich mein Angebot gezielt in Szene setzen.
Was aber bleibt, ist mein Wunsch, Persönlichkeit, mein Wissen und meine Erfahrung weiterzugeben: Wer neugierig ist, findet in meiner Kategorie „Freie Rede“ viele Einblicke, Anregungen und Geschichten rund um Freie Trauungen. Ich sage außerdem weiterhin gerne Ja zu Paaren, die von sich aus auf mich zukommen, und begleite sie mit Freude zu ihrem Ja-Wort.
Dass ich meinen Preis für gerechtfertigt halte, daran ändert sich nichts. Warum meine Freie Rede jeden Euro wert ist, mit allem, was an Vorbereitung, Zeit und Herzblut dahintersteckt, habe ich in einem früheren Artikel ausführlich beschrieben. Was sich ändert, ist nur, wie ich dafür werbe – nicht dass ich auch weiterhin zu meinem Preis stehe.
Gleichzeitig bringe ich Paaren gegenüber Verständnis für ihre finanzielle Situation entgegen: Ich bin offen für Eigenleistungen, etwa wenn Paare Textbausteine selbst vorformulieren, um meinen Aufwand für die Ausarbeitung der Rede zu verringern, und bringe eine Verhandlungsbereitschaft für das Gesamthonorar mit, wenn es die Situation erfordert.

Zwei persönliche Beispiele
Als mein Sohn heiratete, hatte er zwar einen gut bezahlten Job, aber eine externe freie Rede hätte schlicht ihr Budget gesprengt. Ich durfte ihnen ihr Ja-Wort abnehmen – und auch sein Hochzeitsoutfit war mein Geschenk. Als Mutter war mir das eine große Ehre, doch wer hat schon eine Mama, die Hochzeitsrednerin ist?
Meine Tochter wiederum hat deutlich reduzierter geheiratet, ganz ohne große Zeremonie und Schnickschnack – stilvoll, bezaubernd, ohne großes Tagesprogramm, aber am Ende war trotzdem eine hohe vierstellige Summe fällig, obwohl ich auch hier für Hochzeitskleid & Co sorgte.
Beide Hochzeiten waren einmalig, entsprachen absolut ihren Persönlichkeiten. Keine von beiden hätte allerdings den heutigen „Standard“ erfüllt, mit dem die Branche wirbt. Sich ganz bewußt dem Größer, Teurer, Exklusiver zu entziehen, braucht Haltung und Mut, ich bin sehr stolz dass meine Beiden diese Werte tagtäglich leben.

Was das für künftige Brautpaare heißt
Falls du gerade selbst mitten in der Hochzeitsplanung steckst und dich der Druck der „perfekten Hochzeit“ belastet: Finde deine eigene Definition von genug. Deine Hochzeit muss nicht dem Instagram-Standard entsprechen, um wertvoll zu sein, ganz im Gegenteil! Spüre, wer du bist, was dich und deinen Partner verbindet und ausmacht. Überlegt euch euren ganz eigenen Stil und vernachlässigt dabei, was andere machen.
Ein letzter Hinweis, bitte nicht als Werbeanzeige verstehen, sondern lediglich als Gesprächsangebot: Falls du auf der Suche nach einer freien Traurednerin bist, die deine Hochzeit persönlich, ehrlich und ohne aufgesetzten Glamour begleitet – ich bin weiterhin erreichbar, wenn du von dir aus auf mich zukommst: Liebe(r), frei getraut.
Eure Freie Hochzeit mit mir: Liebe(r) frei getraut
Am Ort eurer Wahl, in freier Zeremonie zu eurer Lieblingsmusik: das und noch mehr bietet mein Angebot für genau die Hochzeit, die zu euch passt. Liebe(r) frei getraut

Herzlichst
eure Gabi.

Gabi Kremeskötter
Liebe, die durch Worte strahlt
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