Meine 7 Gedanken im Oktober 2026

Veröffentlicht am Kategorisiert als Autorin Juli Norden, Persönliches

Meine sieben Gedanken fasse ich im Oktober erst am zehnten zusammen: Die Freiheit meines Blogs mag ich sehr, denn ich bestimme, wann und was ich veröffentliche – oder auch nicht. Initiiert hat diese innere 7er-Reise Linda Kunze. Die Idee dahinter mag ich nach wie vor: Sieben vielleicht kleine, aber wichtige Gedanken pro Monat festhalten.

Bei mir sind das Gedichte mit begleitenden Fließtexten. Und so schreibe ich weiter … persönlich, ehrlich, spontan, Tag für Tag und Monat für Monat. Für Oktober fiel mir das Zusammentragen meiner Gedanken zunächst schwer. Womöglich auch deshalb veröffentliche ich sie mit dreitägiger Verspätung. Bei mir war gefühlt wenig los, doch beim genauen Hinschauen dann doch eine Menge … Hier sind sie, meine 7 Gedanken im Oktober 2026!

Gedanke 1: Zuhören bedarf echter Aufmerksamkeit

Eine Beobachtung oder eine kleine Szene? Wie oft reden wir miteinander, ohne wirklich zuzuhören? Wie oft fragt jemand „Wie geht es dir?“, ohne eine tatsächliche Lagebeschreibung deiner Situation hören zu wollen? Ich beobachte mich und andere, lausche Gesprächen, die nur scheinbar Dialog sind. Viel zu oft erlebe ich, dass während einer redet, der andere schon zu einer Antwort ansetzt, die seine Sicht der Dinge darstellen soll, anstatt wirklich zuzuhören und nachzufragen.

Ich möchte solche Gespräche nicht mehr führen, zumindest nicht mehr still sein, wenn sie mir widerfahren. Ich möchte wahrhaftigen Austausch und Zeit, jeden ausreden zu lassen und nur ihm oder ihr in diesem Moment den Raum zu schenken – und nicht, kaum, dass das Wort verhallt, zu einer Gegenrede ansetzen. Und auch ich will gehört werden, mir soll aufmerksam zugehört werden.

Ich will anerkannt werden als wertvolle Gesprächspartnerin, die sehr gut zuhören kann, aber deshalb nicht automatisch hintendran steht, wenn auch sie einmal etwas mitteilen möchte.

Zuhören// dir kann/ noch so viel erzählt werden/ erst wenn du dir die Zeit/ für echtes Zuhören nimmst/ wirst du verstehen// (c) Juli Norden 12.09.26

Gedanke 2: Motivation durch Änderung der Wortwahl

Eine Erkenntnis aus der Arbeit/Job/Business? Mich erreichte gestern über ihren Newsletter dieser ganz besondere Blogartikel: „Muss ich“ oder „will ich“ – was steckt hinter deiner Motivation? Carlotta Ostmann-Schaal ist Physiotherapeutin und hat mit ihrem Artikel ein fachübergreifendes Thema herausgepickt. Danke dafür, denn genau so funktioniert das mit der Motivation!

Klick dich rein in diesen Artikel, wenn auch du vor zu vielen „Ich muss“-Aufgaben stehst. Wende ihre Tipps an und schau, wie sich deine Motivation von ganz alleine zeigt 🙂

Wie stets, wenn sich auch andere Menschen den Feinheiten unserer Sprache widmen und sie anwenden, macht mich das ein richtig großes Stück glücklich. Unsere Sprache hat eine schier unerschöpfliche Vielfalt, zapfen wir sie an!

Und was will ich heute? Ins Fitnessstudio gehen und danach schreiben (diesen Blogartikel zum Beispiel), ansonsten lasse ich mir die Freiheit zu tun, was ich in jedem einzelnen Moment gerade möchte. Dieses schon ältere Gedicht von mir drückt´s ähnlich aus:

Motivation// heute fehlt sie mir/ für alles mögliche/ nicht schlimm/ ich denke ich nutze/ diese Trägheit und lege mich/ auf die Terrasse/ mit einem Buch von meinem Stapel/ schwupp, da ist sie wieder/ in unerwarteter Form/ meine Lese-Motivation/ (c) Juli Norden 20.07.21

Gedanke 3: Ich werde früher oder später meinen Wohnort wechseln

Etwas Persönliches? Anfang Oktober habe ich eine Entscheidung getroffen. Sehr lange schwirrte die reine Möglichkeit schon in meinem Kopf herum, gut vier Jahre bereits. Anfangs machte ich mich damit froh, dass ich es könnte, jederzeit gehen, woanders neu anfangen. Die Freiheit, diesen Schritt zu gehen, hat mich befriedet, mir eine gewissen Not genommen, ich könnte ja, wenn ich nur wollte.

In diesem Jahr haben mich viele Gründe gezwungen. Mich in einen Stillstand, ein Abwarten, nötiges Geduldaufbringen geschoben, die ich nicht beeinflussen konnte. Meine Selbstbestimmung war deutlich reduziert, ein gebrochenes Herz und parallel dein Mittelfußknochen, der Knack sagte; im August die lang ersehnte Knie-OP. All diese Begebenheiten haben mir sehr viel abverlangt, Energie gekostet, mich ins Schlingern gebracht.

Und dabei ist mir Selbstbestimmung so wichtig! Nun, da ich mich auf bestem Wege befinde, wieder voll belastbar zu sein, spüre ich Energie, Lust auf einen Neubeginn, nicht nur rein sportlich betrachtet. Ich möchte nicht länger verharren in einer Lebenssituation, die mir Energie raubt, weil sie mir keine schenkt.

Und darum werde ich endlich konkret, schiebe mein Ziel nicht länger auf. Ich will woanders leben, meine noch 30 Jahre, die ich mir erhoffe, nicht in Einsamkeit, Isolierung und Fremdseingefühl verbringen. Ich brauche Menschen, die ebenfalls keine Einheimischen sind, andere Zugezogene, die die Wurzeln ihrer Geburt vor Jahren kappten.

Wohin ich mich tragen lassen möchte, habe ich vor Augen, wann mein Aufbruch realisierbar wird, hängt von Angebot und Nachfrage einer passenden Immobilie ab. In jedem Fall freue ich mich darauf, den nächsten Meilenstein in meinem Leben zu erreichen.

Neubeginn// lange versucht/ geduldig verharrt/ vieles verziehen und/ miteinander abgewogen/ am Ende bleibt/ große Leere die/ in die Einsamkeit treibt/ Neubeginn/ ein Weg da raus// (c) Juli Norden 05.10.26

Gedanke 4: Die Scham muss die Seite wechseln

Ein Satz, der hängen geblieben ist? Die Deutsche Nationalbibliothek gewährte der bewunderswerten Gisèle Pelicot mit ihrem autobiographischen Buch „Hymne an das Leben“ einen Auftritt, der nicht nur für Vor-Ort-Teilnehmende erlebbar war, sondern sie streamte die gesamte Veranstaltung am 07.10.26. Ich hatte live dabei sein wollen, aber die Karten waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen, umso mehr freute mich der kostenlose Live-Stream.

Ich habe den Prozeß gegen ihren Mann und seine 51 Mittäter verfolgt und schon damals konnte ich kaum glauben, wie stark und tapfer sich die geschändete Ehefrau hielt. Ich habe das Buch bestellt und bin schon sehr gespannt auf die Lektüre.

Auch mir ist in meinem Leben mehr als einmal übergriffiges männliches sexuelles Verhalten widerfahren, das erste Mal im Alter von 12 Jahren, ebenso in meiner Ehe, in Beziehungen danach, das letzte Mal ist gut ein Jahr her. Nicht in der Schwere wie der Französin, doch sind diese Erlebnisse bleibend in meinem Leben verankert. Und wenn eines alle Frauen ausrufen müssen, sollen und können, so ist das genau dieser Satz:

Die Scham muss die Seite wechseln.

Zitat der französischen Rechtsanwältin Gisèle Halimi und Slogan der #MeToo-Bewegung, weltweit berühmt geworden durch Gisèle Pelicot, Untertitel ihres Buchs „Eine Hymne an das Leben„.

Mein Körper gehört mir! Ich bestimme über ihn! Möge das Bewußtsein von Mann und Frau für alle Zukunft sich wandeln, dass nur ein Ja ein Ja ist.

Gisèle Pelicot im Interview mit Lena Bopp (rechts) bei der Lesung in der Deutschen Nationalbibliothek am 07.10.26

Gedanke 5: Ich schäme mich nicht mehr meiner Tränen

Etwas, das sich verändert hat? Mir laufen Tränen. Bei sehr vielen Gelegenheiten: Freude und Glück, das Gefühl geliebt zu werden, lassen mein Herz ebenso „überlaufen“ wie Wut, Schmerz, Trauer und Enttäuschung. Körperlicher Schmerz, auch seelischer, sind dabei die häufigsten Auslöser, jedoch auch Anteilnahme im echten oder in Filmen oder Büchern gezeigten Szenen.

Habe ich mich früher sehr oft für diese sichtbare Emotionalität geschämt, meine Tränen versucht zu verbergen – auch um niemandem Mitgefühl oder Trost dafür abzuringen – lasse ich sie heute laufen. Wenn sie fließen müssen, ist das so, ich habe keine Kontrolle darüber.

Und damit erlaube ich mir Leichtigkeit, denn wenn sie laufen, meine Tränen, ist mein innerer Druck ohnehin so groß, dass ich mir ein Beherrschen-Wollen nicht mehr abverlangen möchte. Sie dürfen zeigen, was in meiner Seele gerade los ist – und wer mir zugeneigt ist, weiß darauf passend zu reagieren.

Tränen// wenn Augen/ Spiegel der Seele sind/ zeigen Tränen/ ihre Fülle// (c) Juli Norden 15.09.26

Gedanke 6: Wildfremde Menschen schreiben mir

Etwas, das überrascht hat? Natürlich führe ich meinen Blog, weil ich damit Menschen erreichen möchte. Personen, die Fragen zum Schreiben, zur Freien Trauung, zu Korrektorat & Lektorat haben, denn das sind neben dem eigenen künstlerischen Schreiben als Juli Norden meine Themen. Und ja, ich teile auch viel Persönliches auf meiner Seite.

Im vergangenen Monat hat mich eine Kontaktaufnahme allerdings sehr überrascht: Im April 2024 schnitt ich meine langen Haare ab. 37 Zentimenter. Den Zopf spendete ich als Haarspende und wollte damit etwas gutes tun, krebskranken Frauen eine Echthaarperücke ermöglichen. Darüber führe die Naturfriseurin Susanne Lins ein Interview mit mir und auch ich schrieb darüber in meinem Monatsrückblick April 2026.

Und just dieser Artikel brachte den Mann einer Lehrerin dazu, mir auf Facebook von ihrer geplanten eigenen Haarspende zu berichten. Ein längerer Austausch entwickelte sich und ja, sie ist den gleichen Schritt gegangen, hat sogar eine längere Haarspende versendet.

Ich war überrascht darüber und habe mich sehr gefreut, über dieses Nischenthema eine andere Frau bei ihrer Entscheidung zu unterstützen. Mich mitteilen, andere erreichen gelingt über manch unerwarteten Weg, doch Hauptsache, es gelingt 🙂

Lange Haare// wer mich/ nicht kennt und fragt/ wie erkenne ich dich/ sieht/ auf den ersten Blick:/ lange/ grau-melierte/ Haare// (c) Juli Norden 10.12.22

Gedanke 7: Wie werde ich weitergehen

Ein Ausblick oder eine Frage? Nicht das ob, lediglich das wie ist die Frage. Die Frage an mich, an Menschen, die mich begleiten oder die mir eines Tages neu begegnen werden. Offen sein für das, was kommt; verwerfen das, was mir nicht gut tun; hinterfragen, was ich will. Und so lange werde ich weitergehen, auf mich gestützt, mich achtend und meinen Werten folgend. Ich bin gespannt …

Weitergehen// weiß dich/ irgendwo da draußen/ schaust umher/ bist auf dem Weg/ eines Tages stehen wir/ an gleicher Ecke/ entscheiden uns/ gemeinsam/ weiterzugehen// (c) Juli Norden 17.09.26


PS: Ich schreibe fast täglich ein Gedicht. Lasse mich inspirieren von Begegnungen, auch eigene Überlegungen schwappen hoch und werden geschriebenes Wort. Jene, die mich schon kennen, lesen meine Gedichte in meinem WhatsApp-Status, auf Instagram und Facebook unter meinem Autorinnen-Pseudonym Juli Norden.

Hier findest du mich auf Social-Media:

Gabi Kremeskötter:

Gabi als Autorin unter Pseudonym Juli Norden:

Soviel zu meinen 7 Gedanken des Monats September 2026. Was könnten deine 7 Gedanken sein? Schon einmal darüber nachgedacht? Wenn nicht, mach mit bei Linda Kunzes Blogparade!

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Frau vor Efeuwand schaut durch das Fingerloch ihrer rechten Hand und lächelt

Ich wünsche dir einen Herbst voller Licht und Farben!

Herzlichst Gabi


Frau schaut durch Herzrebe, daneben steht "Liebe, die durch Worte strahlt"; Claim von Gabi Kremeskötter

Gabi Kremeskötter

Liebe, die durch Worte strahlt

Freie Rede Schreibworkshops Lektorat


Von Gabi Kremeskötter

Geb. 1966 in Pinneberg, wohnhaft in D-56841 Traben-Trarbach/Mosel/Rheinland-Pfalz, Dozentin für KREatives Schreiben, Lektorin & Korrektorin, Freie Rednerin für Trauungen, Kinderwillkommensfeste und Trauerfeiern, Autorin Juli Norden. Mehr zu mir und meinem Schaffen findest du auf meiner Über-mich-Seite.

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