Vom Journal zum Roman: Schreiben, was ist – und entdecken, was daraus wird

Veröffentlicht am Kategorisiert als Kreatives Schreiben
Eine weibliche Hand schreibt mit Kugelschreiber in ein Notizbuch. Darunter der Schriftzug: Vom Journal zum Roman: Schreiben, was ist - und entdecken, was daraus wird.

Manchmal beginnt eine Geschichte nicht mit einer großen Idee, sondern mit einem Moment, der leise nachklingt, einem Satz, der hängen bleibt oder mit einem Gedanken, der sich nicht einfach abschütteln lässt. So ging es mir nach einem Abend, der eigentlich „nur“ eine Lesung war – und dann doch viel mehr.

Meine Gedanken kreisten danach nicht um den Inhalt des Buches, sondern um eine Frage, die plötzlich im Raum stand: Was passiert, wenn wir aufschreiben, was bei uns persönlich passiert – und das mit der Welt verbinden?

Das muss noch kein fertiger Plan sein, aber vielleicht eine Spur. Und das Spannende könnte sein, ihr zu folgen. Genau das habe ich gemacht und mich näher mit dem Journal befasst. Wie daraus eine Geschichte oder gar ein Roman entstehen könnte, stelle ich dir in meinem folgenden Beitrag vor.

Was ist ein Journal?

Ein Journal ist mehr als ein Tagebuch: Es verbindet persönliche Erlebnisse mit dem Blick auf die Welt. In diesem Artikel erfährst du, wie aus scheinbar einfachen Notizen erste Ideen für Geschichten entstehen können – und warum genau darin der Anfang eines Romans liegen kann.

Lust, es selbst in einer Schreibgruppe auszuprobieren? Dann melde dich für meinen nächsten 6-Wochen-Online-Kurs „KREativ mit Gabi – Schreib dich frei in 6 Wochen“ an!

Ein Abend, der nachwirkt

Wenn du mein Treiben schon etwas länger verfolgst, weißt du, dass ich ein absoluter Fan der lit.COLOGNE bin – dem internationalen Literaturfestival, das jedes Jahr im März stattfindet.

Zwei Wochen mit täglich mehreren Veranstaltungen bringen mich jedes Mal aufs Neue in diese eine, fast schon schöne Zwickmühle: Welche Autorin, welcher Schriftsteller, welches neue Buch interessieren mich?

Am 14. März löste ich mein zweites (von insgesamt vier) Tickets ein und erlebte Navid Kermani auf der Bühne in der Kulturkirche Köln-Nippes. Ein sympathischer Mann, eine sehr komplexe Fragen stellende Literaturkritikerin (Wiebke Porompka) – und plötzlich vergehen 90 Minuten wie im Flug. Über den Inhalt von „Sommer 24“ möchte ich dir an dieser Stelle gar nichts verraten. Nicht zuletzt, weil ich das Buch selbst noch nicht gelesen habe.

Denn etwas anderes ist mir zunächst wichtig: Nicht das Was des Inhalts, sondern das Wie als Aufbau und Struktur des Romans.

Navid Kermani auf seiner Lesung bei der lit.Cologne, er sitzt vorne am Tisch, hinter ihm eine Leinwand mit großem Bild von ihm.
Navid Kermani und Wiebke Porompka auf der Bühne der Kulturkirche Köln-Nippes.

Der Gedanke, der geblieben ist: das Journal

Das Journal. Navid Kermani bezeichnet sich selbst als Journal-Schreiber: ein öffentlicher Tagebuchschreiber, der aus persönlichem Empfinden heraus tägliche Eindrücke notiert, die jedoch nicht seine rein private Sicht formuliert.

Er lässt den Zufall zu. Mehr noch: Er lädt ihn ein. Eine bestimmte Situation kann alles auslösen, auch eine neue Romanidee: ein Moment, der hängen bleibt, ein Gedanke, der sich nicht mehr abschütteln lässt.

In genau dieser Mischung aus innerer Einkehr und äußerer Betrachtung liegt der Stoff. Der Stoff für etwas Größeres, für eine neue Geschichte oder gar einen Roman.

Übrigens: Die Grundlage für diesen Blogartikel habe ich direkt nach der Veranstaltung durch meinen Newsletter gelegt. Indem ich sie am nächsten Tag verschriftlicht und an meine Abonnent:innen ausgesendet habe. Möchtest auch du regelmäßig meine „Gabi-News“ erhalten? Dann registriere dich gerne:

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Frau vor Efeuwand schaut durch das Fingerloch ihrer rechten Hand und lächelt

Hast du schon einmal Tagebuch geschrieben?

Hast du schon einmal Tagebuch geschrieben oder machst das tagtäglich als wertvolle Schreibroutine? Super, wenn ja. Denn dann bringst du bereits alles mit, was du brauchst.

Die Technik des Journals lässt sich leicht übertragen. Und gleichzeitig passiert etwas Entscheidendes:

  • Du gehst einen kleinen Schritt weiter.
  • Du hältst nicht nur fest, was ist.
  • Du beginnst, deine persönlichen Eindrücke in Beziehung zu setzen mit dem Außen.

Dein Schreibimpuls: die Welt in dir – und du in der Welt

Mein Schreibimpuls für dich: Führe ein Journal. Schreibe in der kommenden Woche, oder beginne direkt heute damit, jeden Tag ein paar persönliche Erlebnisse auf. Notiere, was dir begegnet, du dabei denkst. Bewerte deine Gedanken nicht, halte sie einfach erst einmal fest. Lass sie wirken in den Tag hinein oder über Nacht.

Und dann geschieht der eigentliche Zauber: Stelle deine Einträge in einen größeren Zusammenhang. Das muss nicht das internationale Weltgeschehen sein. Du kannst den Kreis auch kleiner ziehen:

  • Was passiert in deiner Nachbarschaft?
  • In deinem engeren Freundes- oder Bekanntenkreis?
  • In deiner Stadt oder deinem Land?

Und dann richte den Blick auf dich:

  • Was berührt dich?
  • Was lässt dich kalt?
  • Was macht dich glücklich, traurig, wütend oder ratlos?

Wenn du beides miteinander verbindest, entsteht etwas Neues. Du beobachtest nicht nur die Welt. Du wirst Teil davon: schreibend, denkend, fühlend.

Laptop mit einem Gedicht auf dem Bildschirm
Ich schreibe fast täglich ein Gedicht – auch das ist eine Art von Journal, in dem ich einen Gedanken festhalte.

Was dabei entsteht: eine Stimme, ein Anfang

Mit dieser Art der Verknüpfung schaffst du mehr als nur Notizen. Du beginnst, dich selbst zu betrachten, oder entwickelst deine neue Protagonistin. Du stellst sie in einen größeren Zusammenhang. Und ganz leise entsteht da etwas:

Eine Stimme, ein Blick auf die Welt., ein roter Faden, der vorher noch unsichtbar war. Vielleicht ist das noch keine Geschichte. Aber ganz bestimmt ein Anfang!

Vom Journal zum Roman: ein Weg ohne Plan

Das Journal ist perfekt geeignet, um eine längere Erzählung zu beginnen. Nicht, weil du von Anfang an weißt, wohin die Reise geht. Sondern gerade, weil du es nicht weißt. Weil du dich sammelst, Eindrücke und Gedanken verknüpfst, dir Raum lässt und den Zufall einlädst, dich zu inspirieren.

Und irgendwo zwischen deinen Zeilen beginnt sich etwas zu formen. Ein Grundrauschen einer Idee, dass tief aus deinem Unterbewußtsein hervorbricht und das eine mit dem anderen verbindet. Durch deine täglichen Schreibzeiten aktivierst du zudem deinen KREativen Autopiloten, er arbeitet für dich und wird dir helfen! Wer weiß, vielleicht wird aus solch einer Idee sogar ein Roman?

Warum sich Inspiration lohnt

Uns bei Autorinnen und Schriftstellern Ideen zu holen, ist absolut legitim. Selbst bei jemandem wie Navid Kermani. Denn schreiben tun wir schließlich selbst. Mit unseren Worten aus den uns eigenen Gedanken heraus.

Jede Stimme ist anders. Und genau darin liegt ihre Kraft. An meinen Kursabenden für KREatives Schreiben gebe ich allen Teilnehmenden den identischen Schreibimpuls. Was sie daraus machen, ich höchst individuell. „Schreibe über ROT!“ … und vier, sechs oder neun unterschiedliche Texte entstehen. Selbst wenn meine Aufgabe mit einer bestimmten Textart, zum Beispiel einem Haiku, verknüpft ist, werden komplett niemals die selben Gedichte entstehen.

Sich von anderen inspirieren zu lassen, sei es von mir als Dozentin oder einem renommierten Schriftsteller wie Kermani, lohnt sich immer. Aus dem ersten Impuls heraus werden deine Gedanken zu Worten. Deinen ureigenen.

Und jetzt: dein Versuch

Ich für meinen Teil werde das Prinzip eines Journals versuchen. Starte damit am 1. April, und zwar nicht nur zum Scherz. Warum der April? Nun, ich werde am 11. sechzig Jahre alt, habe ab 10. Urlaub und werde mir täglich eine Schreibstunde einräumen.

Ich werde schreiben, mindestens zwanzig Tage ang. Ganz sicher nicht perfekt oder mit einem fertigen Plan. Sondern mit Neugier und offen für den Zufall. Denn vielleicht ist genau das der Anfang von allem: dass wir einfach beginnen.

Machst du mit? Ich freue mich darauf, dass du deinen dir eigenen Schreibweg betrittst. Und wenn du dabei Unterstützung und/oder Begleitung suchst: Mein Online-Kurs könnte eine Möglichkeit sein:

Frau am Laptop lächelt in die Kamera

Schau dir direkt mein Angebot an:

KREativ mit Gabi – Schreib dich frei in 6 Wochen

Der KREative 6-Wochen-Schreibkurs mit Live-Feedback: gemeinsam schreiben, vorlesen und wachsen.

Du hast Lust zum Schreiben und Austausch über Texte? Das ist alles, was du brauchst, um in meinem 6-Wochen-Kurs deine Angst vor dem weißen Blatt zu verlieren – und so ganz nebenbei noch deine Schreibstimme zu entdecken. In wöchentlichen Live-Modulen erhältst du von mir stets neue Schreibimpulse. Dabei verbinde ich weitere Inhalte und Methoden des KREativen Schreibens, z. B. die Einführung verschiedener Textarten und stilistische Hinweise.

Und damit bin ich fertig für heute. Lesen wir uns?

Liebe KREative Grüße

Gabi.


Lächelnde Frau vor Efeu-Wand mit einem Notizbuch in der Hand, darauf der Claim "Liebe, die durch Worte strahlt"

Gabi Kremeskötter

Liebe, die durch Worte strahlt

Freie Rede – Schreibworkshops – Lektorat


Von Gabi Kremeskötter

Geb. 1966 in Pinneberg, wohnhaft in D-56841 Traben-Trarbach/Mosel/Rheinland-Pfalz, Dozentin für KREatives Schreiben, Lektorin & Korrektorin, Freie Rednerin für Trauungen, Kinderwillkommensfeste und Trauerfeiern, Autorin Juli Norden. Mehr zu mir und meinem Schaffen findest du auf meiner Über-mich-Seite.

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