Wer schreibt, will berühren. Will, dass die Leserin mittendrin steht, nicht außen vor. Und genau hier liegt das Problem mit zwei kleinen, unscheinbaren Wörtern, die sich in fast jeden Text schleichen: „es“ und „man“.
Als Dozentin für KREatives Schreiben und Lektorin begegnen mir diese beiden Wörter täglich, meist in einer Häufigkeit, die dem Text nicht guttut. Der Gebrauch von „es“ und „man“ erzeugt eine Distanz, die langweilig wirkt und sehr verallgemeinernd ist. Dabei ließen sich beide Wörter in den allermeisten Fällen, ich schätze in etwa 98 %, durch aktive und vor allem personalisierte Formulierungen ersetzen.
Warum „es“ und „man“ deine Leser:innen auf Distanz halten – und wie du beide vermeidest
Die Wörter „es“ und „man“ erzeugen sprachliche Distanz und wirken oft verallgemeinernd. Wer sie durch konkrete, personalisierte Formulierungen ersetzt, schreibt lebendiger und näher am Geschehen. Gabi empfiehlt sie nur als neutralen Substantiv-Ersatz oder für bewusst verallgemeinernde Aussagen.
Das Problem mit „es“
Nimm den Klassiker: „Es regnet.„ Grammatikalisch korrekt, stilistisch aber eine verpasste Chance. Wer regnet hier eigentlich? Wo ist die Szene, der Ort, das Gefühl? Ersetze den Satz durch Worte, die tatsächlich etwas zeigen:
„Regentropfen trommelten auf das Dach.„ Erkennst du den Unterschied? Auf einmal ist da ein Bild, ein Klang, eine Handlung. Dein Leser hört das Trommeln, statt nur eine neutrale Wetterinformation zu registrieren.
Das Problem mit „man“
Ähnlich gelagert ist der Gebrauch von „man“. Der Satz „Der Eindruck wurde erweckt, man könnte alles erreichen.„ schwebt irgendwo im Ungefähren. Wer genau hat diesen Eindruck? Wer hat ihn erweckt? Direkter und ehrlicher wirkt die Aussage, wenn du sie aus der Perspektive der Handelnden formulierst:
„Die Sprecherin erzeugt den Eindruck, ich könnte alles erreichen.„ Jetzt steht da ein Subjekt, das handelt, und ein Ich, das die Wirkung spürt. Der Satz bekommt einen Absender und einen Empfänger – und damit Leben.
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Zwei Wörter, ein gemeinsamer Effekt
Was „es“ und „man“ verbindet: Beide verschleiern, wer handelt oder wer betroffen ist. Sie sind sprachliche Nebelmaschinen. Manchmal ist das gewollt und durchaus berechtigt. Meistens aber einfach nur eine Angewohnheit, die sich in nüchternen, distanzierten Sachtexten eingeschlichen hat und von dort aus in KREative Texte übergesickert ist, wo sie nichts verloren hat.
Weitere Beispiele aus der Praxis
Drei weitere Beispiele zeigen dir die direkt veränderte Wirkung:
- „Es“ unpersönlich: „Es war ein langer Tag.“
- „Es“ personalisiert: „Der Tag zog sich, bleiern und endlos.“
- „Man“ verallgemeinernd: „Man merkte sofort, dass etwas nicht stimmte.“
- „Man“ personalisiert: „Sie spürte sofort, dass etwas nicht stimmte.“
- „Es“ passivisch: „Es wurde viel gelacht an diesem Abend.“
- „Es“ personalisiert: „Sie lachten viel an diesem Abend.“
Bei jeder dieser Umformulierungen passiert dasselbe: Aus einer vagen, schwebenden Aussage wird eine konkrete Handlung mit einem konkreten Träger.
Meine zwei empfohlenen Ausnahmen
Damit kein falscher Eindruck entsteht: „Es“ und „man“ möchte ich nicht grundsätzlich verbieten. In zwei Fällen befürworte ich ihre Verwendung ausdrücklich.
„Es“ als Statthalter eines sachlich-neutralen Substantivs
Wenn „es“ ein bereits benanntes, neutrales Substantiv ersetzt, ist der Bezug klar und die Distanz kein Problem:
„Das Dach war mit Schiefer eingedeckt. Es glänzte nach dem Regen.„
Hier steht „es“ schlicht für „das Dach“: eindeutig, die Wiederholung von „Dach“ vermeidend, unproblematisch.
„Man“ für eine wirklich verallgemeinernde Aussage
Manchmal willst du tatsächlich eine allgemeingültige Beobachtung formulieren, die bewusst nicht an eine einzelne Person gebunden sein soll:
„Angesichts der steigenden Preise könnte man meinen, die Welt wird aus den Angeln gehoben.„
Diese Aussage lebt gerade davon, dass sie nicht personalisiert ist, sie beschreibt eine kollektive Stimmung, kein individuelles Erleben.
So gehst du bei der Textüberarbeitung vor
Bei einer gründlichen Textüberarbeitung empfehle ich, jede Verwendung von „es“ und „man“ gezielt zu überprüfen:
- Markiere jedes „es“ und „man“ im Text.
- Frage bei jedem Fund: Ist das wirklich nötig oder lässt sich die Aussage anders, konkreter umschreiben?
- Prüfe, ob einer der beiden erlaubten Fälle vorliegt (neutraler Substantiv-Ersatz bzw. bewusste Verallgemeinerung).
- Wenn nicht: Suche das eigentliche Subjekt der Handlung: Wer tut, wer fühlt, wer spricht hier wirklich? Und dann schreibe den Satz aus dieser Perspektive neu.
Dieser einfache Check verändert deine Texte spürbar. Sätze gewinnen an Nähe, an Konkretheit, an Stimme. Aus vagen Behauptungen werden Szenen, aus distanzierten Feststellungen nachvollziehbare Erlebnisse, die deine Leserschaft in die Erzählung hineinziehen.
Raus aus der Bequemlichkeit
„Es“ und „man“ sind bequeme Wörter, gerade deshalb greifen wir beim Schreiben so oft auf sie zurück. Aber Bequemlichkeit und literarische Wirkung schließen sich meistens aus. Willst du deine Leserinnen und Leser wirklich erreichen, suche das konkrete Subjekt, die konkrete Handlung, die konkrete Stimme. Zwei kleine Wörter weniger und dein Text erzeugt genau die Nähe, die ihnen Kraft verleiht.
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Sehen wir uns online?
Mit KREativen Grüßen
Gabi

Gabi Kremeskötter
Liebe, die durch Worte strahlt
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