Seit mehr als 7 Jahren bin ich als Dozentin für KREatives Schreiben tätig und helfe Schreibwilligen – geübten und ungeübten – mit Schreibimpulsen und vielen Tipps zu Stil, Ideenfindung und Textarten ins Schreiben.
Über die Jahre habe ich auf meinem Blog in der Kategorie KREatives Schreiben unzählige Impulse, Techniken und Denkanstöße rund ums Schreiben veröffentlicht.
Zeit, sie an einem Ort zu bündeln! In diesem Artikel findest du 90+ Schreibtipps, sortiert in thematischen Kapiteln: von der Überwindung der Schreibblockade über Stil und Struktur bis hin zu KREativen Textformen zum Ausprobieren.
90+ Schreibtipps auf einen Blick
Diese Zusammenfassung bündelt fast 100 Schreibtipps von Gabi Kremeskötter aus der Kategorie KREatives Schreiben – sortiert in acht Kapiteln:
1. Mindset & Schreibflow
2. Ideen finden & Kreativität wecken
3. Sprache & Wortwahl
4. Stil, Ton & Wirkung
5. Aufbau & roter Faden
6. Verständlichkeit & Lesbarkeit
7. Mit allen Sinnen schreiben sowie
8. Neue Textformen entdecken & ausprobieren
Ideal zum Reinlesen, Wiederfinden und immer wieder Inspirieren-Lassen.
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1. Glaubenssätze & Schreibflow: Die inneren Blockaden lösen
Bevor überhaupt ein Wort auf dem Papier steht, entscheidet oft die innere Haltung, ob der Schreibflow entsteht oder ausbleibt. (Ausführlich findest du diese auch in Diese 5 Anfänger-Fehler töten deinen Schreibflow.)
- Erlaube dir schlechte erste Sätze. Betrachte jeden ersten Entwurf als Rohmaterial, das noch nicht fertig sein muss – Schreiben und Überarbeiten sind zwei getrennte Schritte, siehe auch Textüberarbeitung: Finde die Perle in deinen Worten.
- Trenne Schreiben und Überarbeiten bewusst. Erst frei fließen lassen, danach feilen. Beides gleichzeitig zu versuchen, bremst deinen Schreibflow aus.
- Vergleiche dich nur mit dir selbst. Statt dich an fertigen, veröffentlichten Werken zu messen, schau auf deinen eigenen Text von gestern und wie er sich entwickelt.
- Nimm Ideen ernst, auch wenn sie banal wirken. Der zündende Funke steckt oft nicht in der großen Eingebung, sondern in dem, was direkt vor dir liegt, siehe auch Privat, echt, nicht banal: Warum dein Alltag Geschichten erzählt.
- Schreibe auch dann, wenn dir „nichts einfällt“. Notiere einfach den Gedanken „Mir fällt nichts ein“ und bleib dran, meist öffnet sich nach wenigen Sätzen eine Tür. Mehr dazu im Artikel Was ist automatisches Schreiben?
- Teile deine Texte zuerst in kleinem, vertrautem Kreis. Eine Schreibgruppe bietet dir einen sicheren Rahmen, um Mut und Sichtbarkeit Schritt für Schritt aufzubauen.
- Verstehe Rückmeldungen als Geschenk, nicht als Angriff. Feedback ist ein Spiegel, der dein Schreiben wachsen lässt.
- Warte nicht auf Schreibflow, erzeuge ihn! Denn Schreibflow entsteht durch regelmäßiges Tun, nicht durch das Warten auf den perfekten Moment.
- Schaffe dir ein festes kleines Ritual. Eine feste Uhrzeit, ein fester Ort, vielleicht mit Tee oder Kaffee – dein KREativer Autopilot liebt Wiederholung und lernt: Jetzt ist Schreibzeit.
- Starte notfalls mit nur drei Minuten. Ein kurzer Dreiminutentext reicht oft, um den ersten Satz einer neuen Geschichte zu finden. Und falls die Angst vor dem „das ist nicht gut genug“ zuschlägt, lies auch diesen Artikel dazu: Mein Text ist nicht gut genug! Ein Mindfuck meiner Zielgruppe.
2. Ideen finden & KREativität
Wenn die Ideen fehlen, helfen konkrete Impulse weiter, statt auf Inspiration zu warten. Eine Auswahl bewährter Schreibimpulse zum sofortigen Loslegen. (Die vollständige Liste findest du in 66 leichte Schreibübungen.)
- Probiere automatisches Schreiben. Schreibe 10 Minuten ohne Unterbrechung über das, was dir gerade durch den Kopf geht – ohne Filter, ohne Korrektur. Mehr dazu im Artikel Was ist automatisches Schreiben?
- Schreibe einen Brief an dein jüngeres Ich. Diese Übung öffnet oft überraschend persönliche und emotionale Texte.
- Beschreibe einen Ort nur über Geräusche. So trainierst du, mit einem einzigen Sinn eine ganze Atmosphäre zu erzeugen – mehr zu diesem Thema in Kapitel 7.
- Setze dir einen Timer und schreibe einen Satz pro Minute. Der Zeitdruck hilft, den inneren Kritiker auszuschalten.
- Erzähle eine Geschichte rückwärts. Beginne beim Ende und arbeite dich zum Anfang vor – das schult dein Gefühl für Spannungsaufbau (siehe auch Tipp 64).
- Beschreibe eine Person, ohne sie direkt zu benennen. Charakterisiere sie über Handlung, Gestik und Details statt über Etiketten – mehr dazu unter Figuren: Charakterentwicklung in der Erzählung.
- Schreibe eine Szene ganz ohne das Wort „sein“. Diese Einschränkung zwingt dich zu aktiveren, konkreteren Formulierungen.
- Verwandle einen Witz in eine Kurzgeschichte. Die Pointe wird zum Kern, um den herum du eine kleine Erzählung baust.
- Schreibe einen inneren Monolog an einem Alltagsort, etwa im Supermarkt – Alltägliches ist oft ergiebiger, als du denkst (siehe auch Punkt 4).
- Erzähle eine Geschichte mit nur 100 Wörtern. Radikale Kürze zwingt dich, jedes Wort zu wählen statt einfach hinzuschreiben. Diese Textform heißt Drabble und schult deine Beschränkung auf das Wesentliche.
- Schreibe eine Szene komplett ohne Adjektive. So merkst du schnell, wie viel Kraft in starken Verben und Substantiven steckt. Mehr dazu im Beitrag Adjektive und Verben – ihre Wirkung im Text.
- Finde fünf zufällige Wörter im Wörterbuch und baue sie in eine Geschichte ein. Der Zufall bringt oft ungewohnte, frische Kombinationen hervor. In die gleiche Richtung zielt mein Schreibtipp Buchstaben-Roulette. Probiere es einmal aus!
- Beschreibe einen Sonnenaufgang, ohne das Wort „Sonne“ zu benutzen. Eine gute Übung, um Umschreibungen und Bilder zu trainieren.
- Schreibe ein Rezept für ein Gefühl, etwa Mut. Die ungewohnte Textform bringt überraschend poetische Formulierungen hervor.
- Setze dich an einen belebten Ort und schreibe über eine zufällige Person. Beobachtung ist eine der besten Ideenquellen überhaupt.
3. Sprache & Wortwahl: Präziser formulieren
Der erste Baustein für klare Texte ist die Wortwahl selbst. Eine Auswahl der häufigsten Stolperfallen bei Sprache und Wortwahl und wie du sie behebst. (Meine vollständige Liste mit über 100 Punkten findest du in 100+ Schreibfehler, die fast jede:r macht.)
- Kürze zu lange Schachtelsätze. Teile Komplexes lieber auf mehrere kürzere Sätze oder Absätze auf, damit Leser:innen nicht den Überblick verlieren.
- Streiche Füllwörter konsequent. Wörter wie „eigentlich“, „halt“ oder „irgendwie“ machen einen Text schwammig.
- Vermeide Wortwiederholungen. Nutze Synonyme oder variiere die Satzstruktur, damit der Text nicht monoton wirkt. Als Fundus eignet sich zum Beispiel 100+1 Synonyme für Liebe.
- Nutze konkrete statt unpräzise Begriffe. Ersetze Worthülsen wie „Ding“ oder „Sache“ durch klare, anschauliche Bezeichnungen; auch hier hilft ein Blick in eine Synonymliste wie 100 Synonyme für SCHÖN.
- Schreibe überwiegend aktiv statt passiv. Aktive Formulierungen wirken direkter und lebendiger als distanzierte Passivkonstruktionen.
- Setze Fremdwörter sparsam ein. Wenn nötig, erkläre sie kurz, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt.
- Beginne Sätze nicht immer gleich. Vermeide eintönige Satzanfänge wie „Es ist…“ und beginne stattdessen mit Verben oder konkreten Details.
- Setze Adjektive gezielt statt inflationär ein. Wenige starke, treffende Adjektive wirken kraftvoller als viele beliebige.
- Prüfe „das“ und „dass“ noch einmal genau. Merkhilfe: „Dass“ ist eine Konjunktion, die einen Nebensatz einleitet und verweist dabei nicht auf ein sachliches Substantiv.
- Bevorzuge Verben statt Substantivierungen. „Die Durchführung der Umsetzung“ klingt bürokratisch, „umsetzen“ wirkt direkt.
- Wähle das stärkere Modalverb. Häufig steckt in „können“ mehr Kraft und Klarheit als in „dürfen“. Gute Beispiele dafür liefert mein Artikel Lektorat: Raus aus der Dürferitis.
- Vermeide Klischees und entwickle eigene Bilder. Ausgelutschte Formulierungen wirken vorhersehbar. Wie du eigene, stimmige Bilder findest, erkläre ich in Metapher oder Vergleich? Der feine Unterschied.
- Streiche Floskeln ohne echten Mehrwert. Ersetze leere Phrasen durch konkrete Aussagen und Beispiele.
4. Stil, Ton & Wirkung: Texte lebendig machen
Ist die Wortwahl geklärt, entscheidet der Gesamtklang deines Textes darüber, ob er berührt oder distanziert bleibt. Diese Tipps helfen dir!
- Setze Ausrufezeichen sparsam ein. Betonung entsteht besser durch Wortwahl und Satzbau als durch Satzzeichen.
- Variiere bewusst die Satzlänge. Kurze und lange Sätze im Wechsel halten den Lesefluss lebendig statt monoton.
- Zeige Emotionen, statt sie nur zu benennen. Beschreibe Gefühle über Handlungen und Körpersprache, dann erzeugt dein Text Nähe und Resonanz statt distanziert zu wirken. Wie du Emotionen schreibst? Ich habe dir 5 Techniken, um deine Leser:innen zu fesseln, zusammengestellt.
- Baue konkrete Details und Sinneseindrücke ein. Sie erzeugen Bilder im Kopf der Lesenden, wo abstrakte Sprache leer bleibt. Ausführlich gehe ich dazu in Kapitel 7 ein sowie im Artikel Deine fünf Sinne – wie sie dich beim Schreiben unterstützen.
- Halte deine Erzählperspektive konsequent. Springst du unkontrolliert zwischen „ich“, „er“ und „wir“, verwirrst du deine Leser:innen; mehr dazu unter Was ist die Erzählperspektive?
- Wähle eine Anrede und bleib dabei. Der Wechsel zwischen Du, Sie und Ihr innerhalb eines Textes irritiert.
- Reduziere Adverbien wie „plötzlich“ oder „wirklich“. Oft lässt sich dieselbe Wirkung mit einem stärkeren Verb allein erzielen.
- Kennzeichne Ironie erkennbar. Ohne Kontext verstehen Leser:innen den ironischen Ton sonst schnell falsch.
- Prüfe Metaphern auf Stimmigkeit. Vermische keine Bilder – ein „roter Faden, der im Nebel ertrinkt“ wirkt unfreiwillig komisch; siehe auch Tipp 37 und Metapher oder Vergleich?
- Bette Zitate ein, statt sie unkommentiert stehen zu lassen. Kürze fremde Zitate und ordne sie ein, damit deine eigene Stimme nicht untergeht.
- Halte die Zeitform konsistent. Ein Wechsel zwischen Präsens und Präteritum innerhalb einer Szene bricht den Erzählfluss.
- Passe Ton und Textform an dein Anliegen an. Möchtest du aufrütteln oder zum Nachdenken einladen? Der Unterschied entscheidet, ob ein Text eher als Kommentar oder als Essay funktioniert – nachzulesen in Kommentar oder Essay? Der feine Unterschied.
- Erkläre Fachbegriffe bei der ersten Nennung. So bleibt dein Text auch für Außenstehende zugänglich.
5. Aufbau & roter Faden
Auch der beste Satz verpufft, wenn der Gesamtaufbau nicht trägt. Diese Tipps helfen dir, deine Texte klar zu gliedern und einen erkennbaren roten Faden zu halten:
- Setze Absätze bei jedem Themenwechsel. Ein durchgehender Textblock erschlägt, klare Absätze schaffen Orientierung.
- Erstelle vor dem Schreiben eine grobe Gliederung. So vermeidest du unlogische Gedankensprünge und eine wirre Argumentreihenfolge.
- Komm schnell auf den Punkt. Zu lange Einleitungen ohne erkennbaren Kern kosten dich die Geduld deiner Leser:innen.
- Formuliere eine klare, aussagekräftige Überschrift. Sie soll konkret zeigen, worum es in deinem Text geht.
- Prüfe nach dem Schreiben, ob Titel und Inhalt zusammenpassen. Ein Titel, der Erwartungen weckt, die der Text nicht erfüllt, enttäuscht.
- Steige mit einer Frage, Anekdote oder These ein. Ein origineller Einstieg zieht sofort ins Thema hinein statt langweilig zu beginnen. Solch ein narrativer Haken lässt die Lesenden weiterlesen!
- Schaffe Übergänge zwischen Absätzen. Verbindende Formulierungen wie „Außerdem…“ oder „Im Gegensatz dazu…“ verhindern, dass Leser:innen stolpern.
- Beende deinen Text nicht abrupt. Fasse die wichtigsten Punkte zusammen und ziehe ein Fazit, damit der Text rund wirkt.
- Lege deine Kernbotschaft vorab fest. So verzettelt sich dein Text nicht in zu vielen Nebenthemen.
- Prüfe auf Wiederholungen derselben Idee. Was schon gesagt wurde, kannst du meist streichen, ohne dass etwas fehlt. Unterschätze die Intelligenz deiner Leser:innen nicht!
- Nutze Absätze, Überschriften und Listen zur Gliederung. Sie geben deinen Leser:innen sichtbare Ankerpunkte im Text.
- Baue bei längeren Texten Zwischenfazits ein. Kurze Zusammenfassungen nach Teilabschnitten verhindern, dass die Orientierung verloren geht.
- Setze bewusst einen Wendepunkt oder Höhepunkt. Gerade bei erzählenden Texten entscheidet dieser Moment, wann etwas kippt und nichts mehr ist, wie es war. (Ausführlich nachzulesen in Der Moment, der alles verändert: Wendepunkt und Höhepunkt einfach erklärt.)
- Ende mit einer klaren Handlungsaufforderung. Ob kommentieren, ausprobieren oder teilen: Sag deinen Leser:innen, was als Nächstes kommt.
- Platziere wichtige Informationen in Hauptsätzen. Versteckst du Kernaussagen in Nebensätzen, gehen sie leicht unter.
6. Verständlichkeit & Lesbarkeit
Ist die Struktur stimmig, entscheidet zuletzt das Feintuning, ob dein Text auch wirklich leicht zu lesen ist. Darum:
- Halte Absätze kurz – maximal vier bis sechs Zeilen. Auf Bildschirmen sind lange Textblöcke deutlich schwerer zu lesen.
- Nutze Zwischenüberschriften bei längeren Texten. Sie strukturieren und machen den Text auf einen Blick überschaubar.
- Gib komplexen Themen eine kurze Einleitung. Ein Überblick, worum es geht und warum der Inhalt relevant ist, holt Leser:innen ab.
- Formuliere Zahlen übersichtlich. Tabellen, Listen oder Diagramme sind bei vielen Zahlen leichter zu erfassen als Fließtext.
- Sprich deine Leser:innen direkt an. Eine persönliche Anrede („du“, „ihr“, „Sie“) schafft Nähe statt Distanz. Ich selbst habe mich ja schon vor langem für das Duzen entschieden.
- Untergliedere lange Kapitel oder Abschnitte. Unterabschnitte geben Lesepausen und verhindern Ermüdung. Schreibst du einen Roman, unterteile ihn unbedingt in Kapitel und leite sorgsam von einem zum anderen über.
- Arbeite mit praxisnahen Beispielen. Sie machen abstrakte Konzepte greifbar und verständlich.
- Vereinheitliche deine Schreibweisen. Entscheide dich zum Beispiel für „E-Mail“ statt zwischen „E-Mail“ und „Email“ zu wechseln.
- Streiche überflüssige Possessivpronomen. „Er zog seine Jacke aus“ funktioniert oft auch ohne „seine“. Das ist ein einfacher Kürzungstrick, den ich ausführlich erkläre in Lektorat: Streiche überflüssige Possessivpronomen.
- Lass Texte vor der Veröffentlichung ruhen. Mit zeitlichem Abstand fallen Flüchtigkeitsfehler und unklare Stellen viel leichter auf; auch hier lohnt sich dein Blick in meinen Artikel Textüberarbeitung: Finde die Perle in deinen Worten.
- Lies dir deinen Text laut vor. Holprige Sätze und Rechtschreibfehler fallen beim laut Vorlesen oft deutlicher auf als beim stillen Lesen.
7. Mit allen Sinnen schreiben
Texte werden lebendig, wenn sie nicht nur berichten, sondern erlebbar machen. (Ausführlich habe ich darüer bereits in Deine fünf Sinne – wie sie dich beim Schreiben unterstützen geschrieben.)
- Baue visuelle Details ein. Farben, Formen, Licht und Bewegung holen eine Szene sichtbar vor das innere Auge.
- Nutze Geräusche für Tempo und Stimmung. Ob Vogelgezwitscher oder Sirenengeheul: Klänge erzählen oft mehr als Beschreibungen.
- Setze Gerüche gezielt als Erinnerungsanker ein. Ein Duft kann blitzschnell ganze Bilder und Emotionen wachrufen.
- Arbeite mit Geschmackseindrücken. Geschmack wirkt direkt und körperlich: bitter wie Enttäuschung, süß wie Verliebtheit.
- Beschreibe Körpergefühl statt nur Handlung. Kälte auf der Haut oder Spannung im Bauch verbindet die Szene unmittelbar mit dem Erleben deiner Leser:innen.
- Reduziere auf wenige, starke Sinneseindrücke statt vieler. Schon ein Geruch, ein Geräusch und ein Gefühl reichen oft, um ein ganzes Bild entstehen zu lassen.
- Trainiere deine Wahrnehmung im Alltag. Geh bewusst durch deinen Tag, beobachte, höre hin, rieche – und notiere deine Eindrücke in einem kleinen Notizbuch für später.
8. Neue Textformen entdecken & ausprobieren
Abwechslung bei der Textform hält die eigene Kreativität in Bewegung. Eine Auswahl an Formen, die sich besonders für den Einstieg oder zum Experimentieren eignen: (vollständige Liste in 66 leichte Schreibübungen)
- Probiere das Elfchen. Dieses Kurzgedicht aus elf Wörtern ist ideal für den leichten Einstieg ins lyrische Schreiben, mehr dazu unter Was ist ein Cinquain und der Unterschied zum Elfchen?
- Schreibe ein Haiku. Die japanische Gedichtform mit 5-7-5 Silben schult die Kunst der Verknappung, ausführlich erkläre ich diese Textform unter Was ist ein Haiku?
- Wage dich an ein Sonett. Die klassische Gedichtform mit 14 Zeilen eignet sich hervorragend zum Experimentieren mit Reim und Metrum. Meine Anleitung findest du unter Sonett schreiben.
- Probiere ein Pantun. Diese malaiische Gedichtform lebt von der Wiederholung ganzer Zeilen. Wie du auch sie einmal ausprobieren kannst, ist nachzulesen unter Pantun schreiben – Anleitung.
- Wage dich an ein Akrostichon. Die Anfangsbuchstaben der Zeilen ergeben von oben nach unten gelesen ein Wort oder eine Botschaft, mehr dazu unter Was ist ein Akrostichon?
- Schreibe einen Zeilenbruch. Wie ganz einfach aus einem kurzen Prosatext dein erstes Gedicht entsteht, erkläre ich dir Schritt für Schritt in meiner Anleitung zum Download.
- Experimentiere mit einer Fabel. Eine kurze Geschichte mit Tieren als Hauptfiguren und einer Moral am Ende.
- Schreibe einen inneren Monolog. Formuliere den ungefilterten Gedankengang einer Figur, ganz ohne Gegenüber oder Dialogpartner. Damit wird diese Person greifbar, denn der Lauf der Gedanken geht in direkte Resonanz mit deiner Leserschaft und erzeugt direkte Nähe.
- Verfasse eine Flash Fiction. Eine ultrakurze Geschichte, oft unter 300 Wörtern – jedes Wort muss sitzen; für noch radikalere Kürze eignet sich auch das Drabble mit genau 100 Wörtern.
- Probiere eine Kettengeschichte in der Gruppe. Eine Person beginnt, die nächste führt fort – ideal für gemeinsames Schreiben in einer Schreibgruppe.
- Schreibe ein Porträt. Die literarische Beschreibung einer realen oder erfundenen Person schärft den Blick für Details.
- Wage dich an eine Charakterstudie. Eine tiefere psychologische Ausarbeitung einer Figur, ihrer Motive und Widersprüche. Mehr dazu findest du in meinem Artikel Figuren: Charakterentwicklung in der Erzählung.
- Nutze die Form des Reisetagebuchs. Beschreibungen, Eindrücke und Reflexionen unterwegs festzuhalten, schult das genaue Beobachten. Mit kurzen Notaten schaffst du dir die Grundlage für einen späteren komplexen Bericht, für dich oder auch Geschichten, die du irgendwann einmal damit ausbauen und mit Details anreichern kannst. Ich selbst mache das regelmäßig, zuletzt in meinem Motorradurlaub 2026: Salzkammergut/Kärnten.
Als Fazit meine Empfehlung: Ausprobieren!
Ob Mindset, Sprache, Struktur, Sinneseindrücke oder neue Textformen – Schreiben lässt sich von ganz unterschiedlichen Seiten trainieren. Die schönste Nachricht dabei: Du musst nicht alle 90+ Tipps auf einmal umsetzen. Greif dir einen heraus, probiere ihn aus, und schau, was er in deinem Text bewirkt.
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