Auch in diesem Monat habe ich sieben meiner Gedanken für Juni zusammengetragen. Initiiert hat diese innere Reise Linda Kunze. Die Idee dahinter? Sieben vielleicht kleine, aber wichtige Gedanken pro Monat festhalten. Mal als Gedicht, mal als einfacher Fließtext. Gedanken teilen, in Resonanz gehen und sie wirken lassen: Das ist für mich der Urtrieb jeden Schreibens. Ich bin gespannt auf den Austausch.
Gedanke 1: Momente sammeln für meine Perlenschnur
Ich beobachte gerne, sehe genau hin, finde im Detail so manchen Glücksmoment. Diese festzuhalten durch eine Beschreibung, sie einfließen lassen in das eine und andere Gedicht, lässt sie mich konservieren. So kann ich mir diese Momente immer wieder in Erinnerung rufen, als Sammlung besonderer Erlebnisse für meine innere Schatzkiste. Sie hilft mir über nicht ganz so frohe Tage hinweg.

Auftauchen/ auftauchen/ aus der Sphäre des Nichts/ Geräusche locken hervor ins Hier/ Vögel zwitschern/ eine Tür fällt ins Schloss/ in der Gasse ruft ein Kind / die Turmuhr kündet/ vom neuen Tag/ (c) Juli Norden 25.05.26
Gedanke 2: Du kannst ebenso das Gegenteil machen, denn auch das ist ein Teil von dir.
Dieses Satz stammt von der Musikerein und Produzentin Annette Humpe, nachzulesen im ZEIT-Magazin Ausgabe 03/2026, erschienen im Januar 2026). Ich habe es erst jetzt gelesen, da ich erst Mitte Mai das Rätsel „Um die Ecke gedacht“ gelöst habe.
Was bedeutet mir dieser Gedanke? Er zeigt mir, dass nichts ausschließlich Richtig oder Falsch ist, sondern jeweils auf den Blickwinkel ankommt, aus dem ich schaue. Ich bin weder so noch so, ich selbst entscheide, wer ich heute oder morgen sein will. Entscheidungen sind änderbar und nicht in Stein gemeißelt.
Ich bestimme, ob der Weg, den ich eingeschlagen habe, weiter verfolge oder die Richtung ändere. Maximale Freiheit, denn egal, was ich tue, ICH mache. Und Zweifel, Kehrtwendungen und Abschiede sind Teil davon, Teil von mir.
Gedanke 3: Starker Rücken. Weicher Bauch. Wildes Herz
Ich habe vor wenigen Tagen ein Buch ausgelesen von der Psychologin Brené Brown. Meine ausführlicheren Gedanken dazu werden wie stets in meinem Monatsrückblick für Juni stehen, doch die Quintessenz hat mich so berührt, dass ich sie bereits hier notieren möchte. Sie hat diese sechs Worte formuliert, einem Leitsatz, Mantra gleich, das ich für mich etwas umgetextet habe und mich von nun an daran erinnern möge, wenn ich wieder einmal mit fehlender Zugehörigkeit hadere: Sie liegt in mir, denn in erster Linie gehöre ich zu mir.

Wildes Herz/ immer wieder vollen Mutes/ in die Wildnis gehen/ alleine stehen/ im Bewusstsein dass/ aus Verletzlichkeit Stärke wächst/ aus Vertrauen Zugehörigkeit/ mein starker Rücken/ den weichen Bauch schützt/ und Heimat ist / für mein wildes Herz/ : mein Weg/ (c) Juli Norden 05.06.26
Gedanke 4: Vergebung ist nicht immer das Richtige.
Dieser Satz ist bei mir hängengeblieben, auch ihn habe ich in einem älteren ZEIT-Magazin gefunden und gemerkt:
Vergebung ist nicht immer das Richtige. Etwas muss unverzeihlich bleiben, damit Vergebung überhaupt etwas bedeutet.
James L. Brooks
Ich bin eine Person, die nicht nachtragend ist. Wenn ich verstanden habe, warum jemand etwas getan hat, fällt es mir leicht zu verzeihen. Damit lasse ich das Problem, dass ich hatte, los und wende mich anderem zu.
Es gärt nicht mehr weiter in mir und ich werde frei von Wut, Trauer, Schmerz. Wenn ich jedoch auch nach längerer Zeit immer wieder zurückgezogen werde, spüre ich, ich habe mir nur eingebildet, vergeben zu haben.
Das ist der Moment, wo ich James L. Brooks recht geben möchte: Diese Verletzungen, die immer wieder hochkommen, verdienen keine Vergebung. Bleiben unverzeihlich und der Mensch, der sie mir zufügte, wird eine Persona non grata für mich.
Abkehr, Rücken zudrehen und abschließen. Schlüssel wegwerfen, Kontakt löschen und fertig.
Gedanke 5: Ich wünschte, wir wären uns nie begegnet.
Ich gebe zu, dieser Gedanke ist nicht nett. Kann ich doch in den allermeisten Fällen, allem, was mir im Leben begegnet, etwas Gutes abgewinnen. Selbst der größte Misthaufen dient zum Beispiel einem Käfer noch als Nahrungsquelle. Doch in den letzten Wochen hat sich etwas bei mir verschoben. Bei aller positiven Lebenseinstellung, manches brauche ich einfach nicht. Möchte ich nicht mehr.
Wenn du selbst schon einmal durch ein wirklich tiefes Tag gegangen bist, kennst du die gut gemeinten Ratschläge. Was nicht tötet, härtet ab. Erkenne im Schmerz deine Entwicklung. Stimmt, ja sicher, doch irgendwann ist auch mal gut. In meinem Fall hatte ich eine gute Balance erreicht.
Und dann kam einer daher, riß mich mit voller Kraft heraus, zu sich hin, mit einer derart gefühlvollen Energie, dass ich nur vertraute, jegliche Zurückhaltung ablegte und losflog. Mit ihm, zu ihm. Nur leider ein Raum ohne Netz oder belastbaren Boden.
Heute, fast ein Jahr später denke ich tatsächlich: Besser ich hätte ihn nie kennengelernt, dann wären mir zwar ein paar Glücksmomente entgangen, auch das Gefühl einer neuen Liebe, doch am Ende auch die viel schwerer wiegenden Monate „danach“. Meine Kraft, mich von Rückschlägen zu erholen, erschöpft sich von Mal zu Mal mehr.

Bei aller Liebe/ manchmal/ ganz leise/ wenn der Himmel mich einfängt/ mit seiner Größe/ und Geduld/ krabbelt dieser eine/ Gedanke in mir hoch/ bei aller Liebe/ : besser/ du wärst mir/ nie begegnet/ (c) Juli Norden 20.05.26
Gedanke 6: Online ist nicht unpersönlich
Letzte Woche bekam ich eine E-Mail. Von DHL, ein Päckchen aus Österreich würde in wenigen Tagen bei mir eintreffen. In Zeiten der immer besseren Fake-Nachrichten, gespickt mit Trojanern und Fishing-Tools ignorierte und löschte ich sie.
Als zwei Tage später die nächste Nachricht in meinem Postfach landete und den Zustelltag aktualisierte, dachte ich: „Mann-o-mann, die designen ihre Mails wirklich immer professioneller, denn sogar der Link für die Sendungsverfolgung landete auf einer original aussehenden Seite.
Erst als tatsächlich der Postbote am nächsten Tag bei mir klingelte und mir ein Päckchen in die Hand drückte, erkannte ich überraschenderweise, dass da wirklich etwas für mich angekommen war: Von Conny, meiner lieben Bloggerkollegin, die meine letzten, nicht ganz so leichten Wochen, mitverfolgt hatte.
Ein Aufmunterungs-Set bestehen aus leckerem Tee und einem Glas Pesto:-) Ich bin noch immer völlig begeistert, erfreut, zutiefst dankbar für ihre so gelungene Überraschung. Und ganz nebenbei die Bestätigung dessen, wie ich viele meiner Online-Kontakte erlebe: Ganz und gar nicht anonym oder unpersönlich. Die Qualität entsteht daraus, was wir daraus machen.

Gedanke 7: Wie weit muss ich gehen
Kennst du Rosenstolz? Ein Lied kam mir in diesem Monat des Öfteren in den Sinn: Wie weit ist vorbei. Und ja, auch mich treibt dieser Gedanke um. Und wie meistens sind meine dazu in ein Gedicht geflossen. Ich bin zuversichtlich, dass mein „Wie weit“ sich nicht ins Unendliche dehnen wird.
Dass ich neuen Menschen begegnen werde – und sogar schon bin! – die mich einladen in ihre Welt, die ich im Gegenzug auch in meine mitnehme. Neue Kontakte, neue Erlebnisse, die neue Erinnerungen schaffen und sich nach und nach über das legt, was war.
Die mich aus meiner Melancholie und Trauerphase hinübergleiten lassen in etwas Neues. Das leuchtet und wärmt, überrascht und begeistert, mich annimmt und aufnimmt, mitnimmt und einen Sommer erleben lässt voller neuer, besonderer Momente …

Wie weit/ wie weit/ muss ich gehen/ um Abstand zu finden/ wie stark muss ich werden/ um Abschied zu sagen/ wie laut muss ich schreien/ um dich zu verjagen/ wie weit muss ich leben/ um dich zu vergessen/ wie weit/ (c) Juli Norden 31.05.26
PS: Beim Schreiben dieses Blogartikels habe ich mich dieses Mal schwer getan. Ich mag mich selbst nicht wirklich, wenn ich in der Traurigkeit feststecke. Doch ich bin eine ehrliche Person, anderen gegenüber und ebenso mir selbst. Ich kann meine letzten Wochen und Monate nicht glücklich darstellen, denn ich bin weit weg davon. Und doch trägt mich die Zuversicht … daher bitte ich um Nachsicht 😉
PPS: Ich schreibe so gut wie täglich ein Gedicht. Mal werde ich inspiriert von Begegnungen, auch eigene Überlegungen schwappen hoch und werden geschriebenes Wort. Jene, die mich schon kennen, lesen meine Gedichte in meinem WhatsApp-Status, auf Instagram und Facebook unter meinem Autorinnen-Pseudonym Juli Norden.
Ich habe in 2026 aufgehört, diese Tagesgedichte als eigenen Blogartikel zu veröffentlichen, daher nutze ich diese Form dafür, meine Tagesgedanken auch auf meinem Blog in die Welt zu senden.
Hier findest du mich auf Social-Media:
Gabi Kremeskötter:
Gabi als Autorin unter Pseudonym Juli Norden:
Soviel zu meinen 7 Gedanken des Monats Juni 2026. Was könnten deine 7 Gedanken sein? Schon einmal darüber nachgedacht? Wenn nicht, mach mit bei Linda Kunzes Blogparade!
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Ich wünsche dir eine sonnige Zeit!
Herzlichst, Gabi

Gabi Kremeskötter
Liebe, die durch Worte strahlt
Freie Rede – Schreibworkshops – Lektorat
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Liebe Gabi,
ich mag Deine 7 Gedanken Rubrik sehr. Vor allem, weil Deine schönen Tagesgedichte in diesem Rahmen noch einmal gewürdigt werden. Ich schaue derzeit sehr unregelmäßig bei Instagram rein, freue mich aber immer, wenn ich dort eins von Deinen Gedichten angezeigt bekomme.
Der Gedanke Nr. 4 ist einer, den ich auch schon oft gedacht und vor genau einem Jahr mal verbloggt habe. Manche Dinge kann man nicht vergeben und ich finde auch, wenn man sich selbst mit der Vergebung abwertet, sollte man es auch nicht tun oder sich dazu gedrängt fühlen. Ein weites Feld…
Es tut mir leid, dass der Gedanke Nr. 5 sich gerade bei Dir eingeschlichen hat. Ich verstehe es zwar, aber es ist wirklich traurig.
Ich wünsche Dir, dass Gedanke Nr. 1 sich weiter ausweitet und Du viele schöne Momente für Deine Perlenschnur sammeln kannst.
Liebe Grüße
Britta
Liebe Britta,
ich danke dir für deinen Zuspruch und dass auch dir dieses Format gefällt.
Immer mal wieder neu denken, etwas anders machen, belebt ungemein:-)
Auch dein Kommentar kommt auf meine Perlenschnur,
herzlichst
Gabi