Lektorat: Streiche überflüssige Possessivpronomen

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Frauenhände auf Laptoptastatur, darüber der Text "Lektorat: Streiche überflüssige Possessivpronomen"

Wer schreibt, will Spannung erzeugen und die Lesenden fesseln. Als Dozentin für KREatives Schreiben empfehle ich stets: Schreib erst einmal los. Notiere alles, was dir einfällt, mach dir keinen Kopf über richtig oder falsch, lass laufen, was deine Gedanken dir erzählen. Erst in der Überarbeitung kommt es darauf an, präzise zu sein. Den roten Faden zu definieren und zu verfolgen. Gedanken zu entwirren, für Klarheit zu sorgen.

Und da steige ich ein als Lektorin und Korrektorin. Wenn ich lektoriere, suche ich nach allem, was deinen Text unnötig aufbläht oder künftige Leser:innen verwirren könnte. Ein häufiger Kandidat auf meiner Streichliste ist das Possessivpronomen. Was es damit auf sich hat, erkläre ich in folgendem Beitrag.

Lektorat: Streiche überflüssige Possessivpronomen

Ein Possessivpronomen zeigt Besitz oder Zugehörigkeit an, zum Beispiel mein, dein, sein, ihr.
Geht der Besitzbezug bereits klar aus dem Kontext hervor, ist das Possessivpronomen überflüssig.
Besonders häufig betroffen: Körperteile, persönliche Gegenstände und Personen im direkten Handlungsumfeld.
Der bestimmte Artikel (der, die, das) reicht in diesen Fällen vollkommen aus.
Wer Possessivpronomen gezielt streicht, macht seinen Text schlanker und seinen Stil direkter.

Was ist ein Possessivpronomen?

Doch zunächst eine Definition und damit ein kurzer Ausflug in die deutsche Grammatik:

Ein Possessivpronomen drückt eine Zugehörigkeit oder einen Besitzbezug aus. Wir nennen es auch „besitzanzeigendes Fürwort„.

Die deutschen Possessivpronomen lauten: mein, dein, sein, ihr, unser, euer, ihr (und ihre flektierten Formen). Sie antworten auf die Frage: Wessen?

  • Beispielfrage: „Wessen Buch ist das?“
  • Antwort: „Das ist mein Buch.“ oder „Das Buch gehört mir.“

Soweit, so sinnvoll. Das Problem bei erzählenden Texten entsteht, wenn Possessivpronomen dort auftauchen, wo der Besitzbezug längst klar ist. Weil er sich aus dem Kontext, aus dem Satz selbst ergibt, die Logik der Situation alles bereits hergibt. Dann wirken sie nicht präzisierend, sondern überflüssig.

Drei Beispiele aus meiner Lektoratspraxis

Beispiel 1: Der Körper gehört ohnehin dazu.

VORHER: „Sie stand auf und streckte ihre Arme aus.“

Wessen Arme sollte sie sonst ausstrecken? Der Satz macht bereits klar, dass sie die Handelnde ist. Das Possessivpronomen ist überflüssig.

BESSER: „Sie stand auf und streckte die Arme aus.“

Der Satz ist klarer, flüssiger – und kein bisschen weniger verständlich.

Beispiel 2: Der Kontext ersetzt das Pronomen.

VORHER: „Er setzte sich an seinen Schreibtisch und öffnete seinen Laptop.“

Im ersten Satzteil ist bereits etabliert, dass wir von ihm sprechen. Beide Possessivpronomen wiederholen die Zugehörigkeit lediglich und sind damit unnötig. Ausnahme: Sollte er sich an einen fremden Schreibtisch setzen oder einen nicht eigenen Laptop öffnen, wäre die Zugehörigkeit erzählenswert!

BESSER: „Er setzte sich an den Schreibtisch und öffnete den Laptop.“

In der Annahme, dass es sein Schreibtisch und Laptop ist, genügt der bestimmte Artikel vollkommen. Weil sein Schreibtisch und Laptop gemeint sind.

Beispiel 3: Die Situation macht den Zusammenhang offensichtlich.

VORHER: „Die Ärztin wusch ihre Hände, bevor sie ihre Patientin untersuchte.“

Dass die Ärztin ihre eigenen Hände wäscht (und nicht die einer anderen Person), versteht sich von selbst. Auch das zweite Pronomen können wir elegant umgehen.

BESSER: „Die Ärztin wusch die Hände, bevor sie die Patientin untersuchte.“

Durch diese kleine Änderung wird der Satz lesbarer, straffer und völlig eindeutig.

Doppelt gemoppelt ist unnötig.

Zusammenfassend möchte ich daher feststellen: Wenn der Besitzbezug klar aus dem Text hervorgeht, ist das Possessivpronomen überflüssig. Wer es dennoch benutzt, traut dem Leser nicht zu, den Kontext selbst herzustellen.

Als Autorin und Autor sollten wir jedoch niemals die Intelligenz unserer Leserschaft unterschätzen. Ganz im Gegenteil! Jedes gut gemeinte „Mehr“ kann genau das Gegenteil bewirken: Überladung, zu viele Worte „um nichts“.

Unnötige Possessivpronomen sind ein Symptom des gleichen Denkfehlers: Wenn du meinst, alles bis ins kleinste Detail erzählen zu müssen, verlierst du aus dem Auge, was deinen Text bereits trägt. Das Ergebnis ist ein aufgeblähter, zäher Stil, der deine Leserschaft langweilt und mit dem Gedanken „Das weiß ich doch schon“ oder „Ist doch klar“ konfrontiert. Und das möchtest du ganz sicher vermeiden.

Faustregel für die Textüberarbeitung

Zum Abschluss habe ich daher eine Faustregel für dich, wenn du deinen Text überarbeitest. Frage dich bei jedem Possessivpronomen:

Wäre ohne dieses Wort unklar, wem etwas gehört oder wer gemeint ist?

Wenn die Antwort nein lautet, streiche das besitzanzeigende Fürwort. Damit vermeidest du die inflationäre Nutzung von Possessivpronomen. Dein Text wird schlanker, dein Stil direkter, und deine Leserschaft dankt dir, auch ohne, dass es explizit davon weiß.

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Mit KREativem Gruß

Gabi


Frau schaut durch Herzrebe, daneben steht "Liebe, die durch Worte strahlt"; Claim von Gabi Kremeskötter

Gabi Kremeskötter

Liebe, die durch Worte strahlt

Freie Rede Schreibworkshops Lektorat


Von Gabi Kremeskötter

Geb. 1966 in Pinneberg, wohnhaft in D-56841 Traben-Trarbach/Mosel/Rheinland-Pfalz, Dozentin für KREatives Schreiben, Lektorin & Korrektorin, Freie Rednerin für Trauungen, Kinderwillkommensfeste und Trauerfeiern, Autorin Juli Norden. Mehr zu mir und meinem Schaffen findest du auf meiner Über-mich-Seite.

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