Schreibblockade überwinden: Warum sie selten nur einen Grund hat

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Rückansicht einer Frau, die am Laptop arbeitet, neben sich ein Notizbuch

Du sitzt vor dem leeren Blatt und außer einem einzigen Satz kommt nichts. Oder noch nicht einmal der, dir fällt so gar nichts ein. Und dabei hättest du genug zu sagen, aber irgendetwas in dir flüstert: Lass das lieber.

Schreibblockaden fühlen sich oft ähnlich an, haben aber sehr unterschiedliche Ursachen. Deshalb hilft dir womöglich ein bestimmter Tipp, dem anderen aber ein ganz anderer: Wenn du an deinem Perfektionismus scheitert, brauchst du etwas anderes als jemand, der mit einem schmerzhaften Thema ringt.

Für diesen Artikel habe ich in meiner Arbeit als Dozentin für KREatives Schreiben fünf Ursachengruppen ausgemacht. Zu jeder Gruppe findest du drei typische Anzeichen und ihren Ausweg, sowie leichte Schreibimpulse zum Ausprobieren. Du wirst nicht in nur zu einer Gruppe gehören. Meistens wirken zwei oder drei zusammen, und genau das macht deinen Weg zurück ins Schreiben so interessant.

Schreibblockade überwinden: Warum sie selten nur einen Grund hat

Du erfährst, warum Schreibblockaden selten nur einen Grund haben und warum nicht jeder Tipp bei jedem wirkt.
Du lernst fünf Ursachengruppen kennen: Prozess, Kopf, Alltag, Stoff und Ergebnis.
Zu jedem Thema findest du drei typische Anzeichen, an denen du dich wiedererkennen kannst.
Du bekommst für jeden Punkt eine Lösung und für jedes der 15 Anzeichen einen leichten Schreibimpuls zum Ausprobieren.
Du siehst, dass meist mehrere Felder zusammenwirken und dass eine Blockade kein Zeichen fehlenden Talents ist, sondern ein Hinweis darauf, wo gerade etwas klemmt.

1. Schreibblockade im Prozess: Wenn du dir beim Schreiben selbst im Weg stehst

Hier liegt das Problem weder im Thema noch in deinem Talent, sondern im Ablauf: Du überarbeitest, bevor überhaupt etwas da ist.

Du schreibst und löschst im Wechsel

Ein Satz entsteht, du liest ihn, er gefällt dir nicht, und weg ist er. So kann kein Text wachsen. Schreiben und Überarbeiten sind zwei verschiedene Tätigkeiten, und wenn du beide gleichzeitig machst, bremsen sie sich gegenseitig aus.

Schreibimpuls: Stell einen Timer auf acht Minuten und schreib über deinen heutigen Weg zum Schreibtisch. Die Löschtaste ist tabu. Wenn dir ein Wort nicht gefällt, schreib das bessere einfach dahinter.

Du feilst ewig am Anfang

Der erste Absatz wird zum Dauerprojekt, in zwanzig Fassungen, während der Rest des Textes nicht existiert. Der Anfang ist die schwerste Stelle, weil du noch nicht weißt, wohin der Text will. Oft zeigt sich der richtige Einstieg erst, wenn du das Ende kennst.

Schreibimpuls: Fang mitten in einer Szene an, zum Beispiel mit dem Satz „Dann klingelte jemand an der Tür.“ Schreib von dort zehn Minuten weiter. Den Anfang schreibst du später.

Du bleibst in der Planung stecken

Recherche, Plotten, Figurenbögen, Exposé: Deine Vorbereitung fühlt sich produktiv an, und ein Stück weit ist sie das auch. Doch wenn sie das Schreiben ersetzt, wird sie zum Versteck, in dem vermeintlich nichts schiefgehen kann. Außer der Tatsache, dass du die Geschichte nicht schreibst.

Schreibimpuls: Such dir aus deinen Notizen eine einzige Figur oder einen Ort aus und schreib zehn Minuten eine kleine Szene, ganz ohne Plan. Lass die Figur etwas tun, das in deinem Konzept nicht vorkommt.

Wie du dir nicht länger im Weg stehst

Trenne Entwurf und Überarbeitung. Der erste Entwurf darf schlecht sein, seine einzige Aufgabe ist, dass etwas da ist. Das Überarbeiten kommt in einem zweiten Durchgang, am besten an einem anderen Tag.

Schreiben, schreiben, schreiben, jeder Satz ist ein Fragment, dass du später verwenden oder streichen, umformulieren oder ausbauen kannst. Wenn du es nicht aufschreibst, kannst du es auch nicht nutzen.

2. Schreibblockade im Kopf: Wenn Gedanken und Selbstbild bremsen

Hier sitzt die Bremse in deinen Gedanken. Der innere Kritiker meldet sich, noch bevor du den ersten Satz geschrieben hast, und hat meist sehr überzeugende Argumente. Warum?

Du vergleichst dich ständig mit anderen

Ein Blick auf gelungene Texte anderer, und dein eigener Anspruch wirkt unerreichbar. Du vergleichst dann deinen ersten, unfertigen Entwurf mit deren fertigem, lektoriertem Ergebnis. Du unterwirfst dich mit diesem Denken unfairerem Wettbewerb, lass das!

Schreibimpuls: Schreib fünf Minuten lang über etwas, das nur du so erlebt hast, zum Beispiel über den Geruch der Küche in deiner Kindheit. Vergleichen geht hier nicht, weil nur deine Erinnerung und Wahrnehmung zählen.

Du hältst deine Idee für nicht gut genug

Kaum taucht eine Idee auf, hast du sie schon verworfen. Dabei zeigt eine Idee ihren Wert selten im ersten Moment. Sie wird meist erst im Schreiben gut. Glaub mir! Wie oft habe ich Teilnehmer:innen in meinen Kursen erlebt, die mich zunächst fragend anschauten, beim Vorlesen der Ergebnisse jedoch überrascht und froh waren.

Schreibimpuls: Nimm die Idee, die du zuletzt verworfen hast, und schreib dazu drei verschiedene Anfangssätze. Du musst keinen davon weiterschreiben, nur nebeneinanderlegen und staunen, was du formuliert hast.

Du fürchtest das Urteil anderer

Der Gedanke an Leser:innen, ans Lektorat, an die Kursgruppe oder die Familie lähmt dich, noch bevor ein Text existiert. Du schreibst dann nicht mehr für dich, sondern gegen eine Kritik, die noch gar nicht stattgefunden hat.

Schreibimpuls: Schreibe einen kurzen Brief an deinen inneren Kritiker. Frage ihn, was er eigentlich für dich erreichen will, bedanke dich und bitte ihn, die nächsten fünfzehn Minuten draußen zu warten.

Wie Gedanken und Selbstbild dich nicht länger bremsen

Hör deinem Kritiker zu, aber überlass ihm nicht die Leitung. Er will in der Regel Qualität, kommt nur zum falschen Zeitpunkt. Gib ihm einen festen Platz: bei der Überarbeitung, nicht bereits im ersten Entwurf. Wie du ohne Frust und Zweifel ins Schreiben kommst? Vielleicht mit meinem Online-Kurs.

3. Schreibblockade im Alltag: Wenn Körper und Routine Nein sagen

Manchmal liegt das Nicht-schreiben-Können weder am Kopf noch am Text an sich. Du willst schreiben, aber irgendetwas anderes ist immer wichtiger: die Wäsche, die E-Mails, das Versorgen von Familie und Tieren. Das ist keine Faulheit, eher der Versuch, einem unangenehmen Gefühl auszuweichen.

Der Gedanke ans Schreiben spannt dich an

Eigentlich liebst du das Schreiben, aber sobald du dich hinsetzen willst, spürst du Druck, Unlust oder ein schlechtes Gewissen. Dein Körper reagiert mit: Schultern hoch, Magen eng, plötzlich muss dringend aufgeräumt werden. Das Schreiben ist mit Erwartungen aufgeladen.

Schreibimpuls: Schreibe drei Minuten über deinen Schreibort wie in einem Reisetagebuch: Was siehst, hörst und riechst du? Der Text muss nichts werden. Spür danach nach, wie sich dein Körper anfühlt. Und zack: bist du im Schreiben!

Du liest viel über das Schreiben, schreibst aber nicht

Ratgeber, Podcasts, Blogartikel (auch dieser!) fühlen sich wie Arbeit am Schreiben an, sind aber Konsum. Wissen ersetzt keine Praxis. Schreiben geht nur, wenn du auch wirklich schreibst.

Schreibimpuls: Nimm einen Tipp aus dem, was du zuletzt gelesen hast, und probiere ihn sofort aus, zehn Minuten lang, noch bevor du den nächsten Artikel öffnest.

Du meldest dich zu Kursen an und bringst dich nicht ein

Schreiben passiert nur unter äußerem Druck, und selbst dann widerwillig. Die Aufgaben lässt du liegen, der Kurs wird zur Pflicht statt zur Inspiration. Wie schade! Da hast du schon Zeit und Geld investiert, ohne etwas davon zu haben.

Schreibimpuls: Verabrede dich mit dir selbst, dreimal in dieser Woche zehn Minuten, fest im Kalender eingetragen, mit lautem Klingeln als Erinnerung! Als Startsatz taugt „Heute ist mir aufgefallen, dass …“. Das ist kleiner als ein Kurs und deshalb machbar.

Wie du Körper und Routine aushebelst und schreibst

Kleine, verlässliche Rituale statt großer Vorsätze. Zehn Minuten, gleicher Ort, gleiche Zeit. Nicht Disziplin entscheidet, sondern dass der Einstieg so leicht wird, dass dein Widerstand keine Chance hat. Vertraue mir, ich habe langjährige Erfahrung und weiß, dass die kleine Schritte am Ende die größte Wirkung zeigen.

4. Schreibblockade im Stoff: Wenn der Inhalt das Problem ist

Manchmal liegt die Blockade im Thema selbst. Du weißt, was du sagen möchtest, aber es ist zu nah, zu heikel oder du bist inzwischen zu müde geworden, um es anzufassen.

Du schreibst um das Eigentliche herum

Die entscheidende Szene, der unbequeme Gedanke, das Persönliche bleibt ausgespart. Der Text wird dadurch flach, und du spürst, dass etwas fehlt, auch wenn du nicht sagen kannst, was. Die Unausgegorenheit stört dich, du wiederholst Formulierungschleife um Schleife.

Schreibimpuls: Schreib die Szene, um die du herumschreibst, in genau drei Sätzen auf: Wo sind wir, wer ist da, was geschieht? Nicht schön, nur wahr. Ausformulieren kannst du später.

Du schweigst zu einem Stoff, der zu nah oder zu privat ist

Manche Themen sind (noch) nicht schreibbar. Das hat nichts mit mangelndem Mut zu tun, sondern oft mit fehlender Distanz. Wenn ein Thema dich sehr belastet, nimm dir Zeit dafür und hol dir gern Unterstützung.

Schreibimpuls: Erzähle dieselbe Situation aus der Sicht eines Gegenstands, der dabei war: der Tasse, dem Stuhl, dem Schlüssel. Was hat er gesehen? Der Gegenstand schenkt dir den nötigen Abstand. So ein Text nennt sich übrigens Dinggeschichte oder -gedicht.

Du verlierst das Interesse an deiner eigenen Geschichte

Was dich anfangs gepackt hat, fühlt sich nach ein paar Wochen leer an. Häufig fehlt dann eine Frage, die dich selbst noch interessiert, oder deine Figur hat sich längst woandershin entwickelt.

Schreibimpuls: Schreibe zehn Minuten lang eine Liste mit Fragen an deine Hauptfigur und beantworte die überraschendste (auch ein Cluster hilft an dieser Stelle!). Oder lass einen unerwarteten Besuch in die Szene kommen und schau, was passiert.

Wie der Inhalt deiner Geschichte dich wieder packt

Nähere dich dem Kern über Umwege. Perspektivwechsel, Distanz und Fiktionalisierung erlauben dir, über das Schwere zu schreiben, ohne dich ihm ungeschützt auszusetzen.

5. Schreibblockade am Ende: Wenn Ergebnis und Bewertung lähmen

Auch das Ende des Schreibprozesses kann blockieren. Denn fertig werden heißt, sich zu zeigen, und das fühlt sich für viele riskanter an als alles Vorherige.

Du hältst nichts für fertig

Deine Texte bleiben in der Dauerüberarbeitung. Noch ein Absatz umgestellt, noch ein Wort getauscht. Perfektion wird zum Schutz: Solange du nicht fertig bist, kann dein Text auch nicht abgelehnt werden.

Schreibimpuls: Schreibe in zwanzig Minuten ein Drabble oder eine etwas längere Mini-Geschichte von höchstens 150 Wörtern mit Anfang, Wendung und Schluss. Setz „Ende“ darunter und fass sie nicht mehr an. Du kannst „fertig“!

Du zeigst deine Texte niemandem

Sie liegen in der Schublade oder im Ordner „Entwürfe“. Ohne Gegenüber fühlt sich dein Schreiben irgendwann sinnlos an, denn ein Text entfaltet erst beim (Vor-)Lesen seine Wirkung.

Schreibimpuls: Such dir einen Absatz aus, den du magst, und lies ihn einer vertrauten Person vor, oder dir selbst laut im Zimmer. Lass deinen Text Stimme werden, die nur gehört, nicht erklärt oder entschuldigt werden möchte.

Du bist enttäuscht, wenn der erste Entwurf nicht „gut“ klingt

Du erwartest, dass die Sätze gleich druckreif sind. Dabei ist ein erster Entwurf Rohmaterial, in dem ganz sicher eine Perle versteckt sein kann, kein Endprodukt.

Schreibimpuls: Nimm einen alten Entwurf und markiere drei Stellen, die schon funktionieren. Nur Positives, keine Korrekturen. Das trainiert deinen Blick für das, was trägt.

Wie du Ergebnis und Bewertung für dich nutzt

Übe das Fertigstellen und Zeigen deiner Texte als eigene Fähigkeit, und zwar fang damit klein an. Ein kurzer Text, eine Person, ein Moment. Je öfter du dich zeigst, desto weniger bedrohlich fühlt es sich das Gehörtwerden an.

In meinen Schreibgruppen erlebe ich das in jedem Termin: der wachsende Mut Vorzulesen, die Freude über Anerkennung und auch Rückmeldungen zu möglicher höherer Textqualität.

Fazit: Schreibblockaden haben viele Gesichter und mehrere Auswege

Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass du dich in mehr als einem Feld wiedererkennst. Das ist normal. Der innere Kritiker bremst im Kopf, der Perfektionismus am Anfang, und am Ende hast du nicht geschrieben: So greifen die verschiedenen Ursachenfelder ineinander. Deshalb suche nie nur nach der einen Ursache, sondern schau dir dein ganz individuelles Zusammenwirken an.

Probiere am besten den Schreibimpuls aus, der dich am meisten reizt, nicht den, der am bequemsten wirkt. Zehn Minuten reichen. Und noch etwas: Eine Schreibblockade ist kein Beweis für fehlendes Talent. Sie ist lediglich ein Hinweis darauf, wo gerade etwas bei dir klemmt. Und wir wissen ja: Was klemmt, lässt sich lösen!

Welche Ursachen erkennst du bei dir wieder? Schreib mir gerne dazu in den Kommentaren weiter unten.

Wie ich dir noch weiterhelfen kann

Meine eigene Schreibfreude teile ich regelmäßig und in unterschiedlichster Art. Dies steht auch dir offen:

  • Über den Newsletter halte ich dich mit meinen Themen auf dem Laufenden und schicke dir stets einen Schreibimpuls.
  • In meinem Online-Kurs für KREatives Schreiben erkennst du was in dir steckt.
  • Auf meinem Blog findest du in der Kategorie KREativen Schreiben sehr viele weitere Artikel, die dich ins Schreiben bringen.

Ich freue mich, wenn du mein Angebot nutzt!

Mit KREativen Grüßen

Gabi


Frau schaut durch Herzrebe, daneben steht "Liebe, die durch Worte strahlt"; Claim von Gabi Kremeskötter

Gabi Kremeskötter

Liebe, die durch Worte strahlt

Freie Rede Schreibworkshops Lektorat


Von Gabi Kremeskötter

Geb. 1966 in Pinneberg, wohnhaft in D-56841 Traben-Trarbach/Mosel/Rheinland-Pfalz, Dozentin für KREatives Schreiben, Lektorin & Korrektorin, Freie Rednerin für Trauungen, Kinderwillkommensfeste und Trauerfeiern, Autorin Juli Norden. Mehr zu mir und meinem Schaffen findest du auf meiner Über-mich-Seite.

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