99 Tipps aus 8 Jahren als Korrektorin & Lektorin, die dein Manuskript besser machen

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Schreibende Frauenhände auf Tastatur, darüber der Text: "99 Tipps aus 8 Jahren als Korrektorin & Lektorin, die dein Manuskript besser machen!

Seit vielen Jahren überarbeite ich als Lektorin und Korrektorin Manuskripte. In meiner Blog-Kategorie Korrektorat und Lektorat teile ich mein Wissen und die Erfahrung in vielen Artikeln.

Hier bündle ich meine wichtigsten: 99 Tipps in zehn Abschnitten: vom richtigen Zeitpunkt für Lektorat und Korrektorat über Rechtschreibung und Wortwahl bis zu Nähe, Dialogen, dem Schreiben von Gefühlen und der Frage, wie dein Manuskript veröffentlichungsreif wird. Greif dir heraus, was dein Text gerade braucht.

1. Lektorat oder Korrektorat? Grundlagen und der richtige Zeitpunkt

Bevor du Hilfe von außen holst, lohnt sich ein klares Bild davon, wer was tut und wann. (Ausführliche Infos dazu findest du in Was ist der Unterschied zwischen Lektorat und Korrektorat? und Wann ist ein Korrektorat/Lektorat sinnvoll? Stelle dir diese fünf Fragen.)

  1. Kenne den Unterschied. Als Lektorin prüfe ich den inhaltlichen Sinn deines Textes, also Anfang, Grundidee, Figuren, Dramaturgie, Perspektive und Stil. Auch stelle ich die Frage: Ist alles logisch aufgebaut? Beim Korrektorat kümmere ich mich um formale Fehler wie Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung, Silbentrennung und Formatierung.
  2. Plane die Reihenfolge. Sinnvoll ist: Suche dir zuerst Testlesende, dann eventuell ein Probelektorat (etwa der ersten 10 Seiten, um zu sehen, wie deine Lektorin arbeitet). Beauftrage erst danach das Gesamtlektorat und zuletzt die Korrekturschleife. Hinweise des Lektorats zu Rechtschreibung und Grammatik kannst du schon beim Überarbeiten umsetzen, das spart im Korrektorat Aufwand.
  3. Behalte die Texthoheit. Als Lektorin mache ich dir Vorschläge, du entscheidest, was du übernimmst. Dein Text bleibt dein Text.
  4. Lege den Umfang fest, wenn du beides in einem Auftrag buchst. Lektorat und Korrektorat lassen sich kombinieren, dann sollte vorab klar sein, was genau enthalten ist.
  5. Entscheide nach deinem Veröffentlichungsweg. Bei einem Verlag übernimmt dieser in der Regel Lektorat und Korrektorat. Im Selfpublishing halte ich beides für unverzichtbar, weil Leser:innen für deinen Text bezahlen. Mehr zum Weg dorthin findest du in Vom Manuskript zur Veröffentlichung.
  6. Rechne die Kosten vorab durch. Schnell kommen mehrere hundert bis tausend Euro zusammen, insbesondere bei umfangreichen Manuskripten. Dafür steigt die Qualität deines Textes mit jeder Überarbeitung.
  7. Überarbeite erst selbst, mindestens zweimal, besser dreimal. Erst dann lohnt sich Fremdhilfe. Automatische Korrekturprogramme helfen, ersetzen aber keine gründliche Durchsicht von außen.
  8. Suche Testlesende, die dir nicht nahestehen. Freunde und Bekannte loben meist, ihr Urteil ist selten ganz unvoreingenommen. Personen ohne persönliche Bindung zu dir und damit zum Text sind objektiver.
  9. Frage dich, ob du Kritik gut annehmen kannst. Du musst nicht jeden Vorschlag übernehmen. Erkenne Rückmeldungen als Hinweis darauf, wie deine Leser:innen den Text später wahrnehmen.
  10. Warte mit professioneller Hilfe, solange dein Text noch entsteht. Auch für rein privates Schreiben ist ein Korrektorat nicht nötig. Sobald dein Text in die Öffentlichkeit soll, empfehle ich fremde Hilfe unbedingt. Die Details stehen in Wann brauchst du ein Korrektorat/Lektorat – und wann nicht.
  11. Frag nach einer Probe. Ein Probekorrektorat oder Probelektorat zeigt dir, ob die Zusammenarbeit passt, bevor du dich entscheidest. Und falls dir Fachbegriffe begegnen: Mein Glossar Korrektorat und Lektorat erklärt dir die wichtigsten.

2. Textblindheit und Korrekturlesen

Den eigenen Text sehen wir nie so, wie er dasteht, auch mir geht das mit Selbstgeschriebenem so. Diese Tipps helfen dir, Fehler trotzdem zu finden. (Ausführlich findest du meine Hinweise in diesen Artikeln: Gegen Textblindheit hilft nur das professionelle Korrektorat und Die Rechtschreibung und ich: Wir brauchen einander.)

  1. Rechne mit Textblindheit. Bei eigenen Texten lesen wir oft, was wir lesen wollen, weil wir ja wissen, was da stehen sollte. Selbst Lehrkräfte und Germanistik-Studierende sind davor nicht gefeit – auch ich nicht!
  2. Hole dir einen fremden Blick. Fremde Leser:innen kennen deine Absicht nicht und sehen nur, was tatsächlich dasteht. Deshalb hilft gegen eigene Textblindheit nur das professionelle Korrektorat.
  3. Bitte notfalls eine sprachsichere Person ums Gegenlesen. Fehlt das Budget für ein Korrektorat, ist das eine gute Alternative. Rechne dafür aber Zeit ein: Für etwa 6 bis 10 Normseiten braucht die Person rund eine Stunde, zumindest wenn der Text leicht und flüssig zu lesen ist.
  4. Prüfe nach jeder Überarbeitung noch einmal. Neue Einfügungen und Streichungen können die Formatierung durcheinanderbringen und neue Flüchtigkeitsfehler erzeugen, auch wenn die erste Fassung sauber war.
  5. Kenne die typischen Flüchtigkeitsfehler. Dazu zählen ausgelassene oder vertauschte Buchstaben, falsch getrennte oder zusammengezogene Wörter, doppelte Wörter sowie überflüssige oder fehlende Wörter.
  6. Lass den Text ruhen. Mit zeitlichem Abstand fallen Tippfehler und unklare Stellen viel leichter auf, bevor du veröffentlichst. Lies ihn außerdem mehrfach gegen oder lass ihn fremd korrigieren.
  7. Lies laut. Beim Vorlesen stolperst du über holprige Sätze und Fehler, die dir beim stillen Lesen entgehen.
  8. Misstraue der Autokorrektur, nutze Rechtschreibprogramme als Hilfe. Autokorrekturen auf Smartphone und Tablet verursachen selbst Fehler, weil sie nicht erkennen, was du meinst. Programme unterstützen, ersetzen aber nicht den prüfenden Blick.
  9. Nummeriere die Zeilen fortlaufend. Unter „Seitenlayout“ in Word lässt sich das einschalten. So findest du Textstellen beim Überarbeiten und in der Rückmeldung leichter wieder.

3. Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung

Hier sind die klassischen Stolperfallen. (Meine vollständige Liste findest du in 100+ Schreibfehler, die fast jede:r macht – und wie du sie vermeidest.)

  1. Unterscheide „das“ und „dass“. Merkhilfe: „das“ ist ein Fürwort, das durch „dieses, jenes oder welches“ ersetzt werden kann und einen Nebensatz einleitet. Ist der Ersatz nicht sinnstiftend, handelt es sich um die Konjunktion „dass“.
  2. Frische die Kommaregeln auf. Kommafehler machen Sätze missverständlich. Hilfreich sind eine Auffrischung der Grundregeln und Hilfsmittel wie der Duden Mentor.
  3. Setze zwischen gleichwertigen Adjektiven ein Komma. Der Test: Passt „sowohl … als auch“? Bei der „reifen, gebräunten Banane“ trifft beides zu. Mehr dazu in Wann steht ein Komma zwischen zwei Adjektiven?
  4. Lass das Komma weg, wenn das erste Adjektiv das zweite näher bestimmt. Bei „viele nervige Fruchtfliegen“ bezieht sich „viele“ auf „nervige“, nicht auf das Substantiv.
  5. Nutze das freiwillige Komma als Betonung. Wo beides möglich ist, entscheidest du, ob die Adjektive gleichwertig nebeneinanderstehen oder das erste den Schwerpunkt setzt.
  6. Schreibe „genauso“ und „genau so“ richtig. Zusammen schreibst du, wenn du zwei Dinge vergleichst („exakt gleich“-Probe). Getrennt schreibst du, wenn du Art und Weise beschreibst. Alles dazu steht in Was ist der Unterschied zwischen genauso und genau so?
  7. Unterscheide „Worte“ und „Wörter“. „Wörter“ sind die zählbaren Bausteine, „Worte“ drücken Gedanken und Sinn aus. Die Zählprobe hilft: Kannst du sie zählen, sind es Wörter. Siehe Was ist der Unterschied von Worte und Wörter?
  8. Prüfe deine Hilfsverben. Sie sind für Zeitformen, Passiv und Konjunktiv wichtig, aber nicht immer nötig. Frage dich bei jedem Hilfverb, ob der Satz ohne es besser klingt. Mehr dazu in Was sind Hilfsverben.
  9. Setze wörtliche Rede korrekt. Achte auf Anführungszeichen, Komma und Begleitsatz, zum Beispiel: „Gehen wir nach Hause“, sagte er.
  10. Gehe sparsam mit Gedankenstrichen um. Zu viele lassen Sätze ihre Struktur verlieren, klare Satzzeichen wirken ruhiger und steigern die Verständlichkeit des Textes.
  11. Schlage Fremdwörter nach. Das gilt für die Schreibweise und für die Bedeutung: Falsch eingesetzte Fremdwörter schmälern deine Glaubwürdigkeit als Autor:in.
  12. Vereinheitliche Schreibweisen. Entscheide dich zum Beispiel für „E-Mail“ statt zwischen „E-Mail“ und „Email“ zu wechseln, und bleibe dabei.

4. Wortwahl: präzise, konkret und schlank

Gute Texte entscheiden sich Wort für Wort. Diese Tipps helfen dir beim sprachlichen Feinschliff:

  1. Streiche Füllwörter. „Eigentlich“, „halt“ und „irgendwie“ machen einen Text schwammig. Beim Korrekturlesen konsequent entfernen.
  2. Vermeide Wortwiederholungen. Besonders in aufeinanderfolgenden Sätzen schwächen sie deine Textqualität. Variiere die Wortwahl oder den Satzbau.
  3. Setze Synonyme gezielt ein. Als Bespiel kann dir meine Liste 100 Synonyme für SCHÖN dienen. Gleichzeitig gilt: Zu viele verschiedene Wörter für denselben Begriff wirken überladen, bleibe im Zweifel bei einem.
  4. Nimm konkrete Begriffe statt „Ding“ und „Sache“. Unpräzise Wörter machen Texte vage und schwächen die Aussage.
  5. Setze Adjektive sparsam und gezielt ein. Wenige starke Adjektive wirken besser als viele beliebige.
  6. Reduziere Adverbien wie „plötzlich“ und „wirklich“. Oft genügt ein stärkeres Verb.
  7. Bevorzuge Verben statt Substantivierungen. „Die Durchführung der Umsetzung“ klingt bürokratisch. Wenn du mehr Verben einsetzt, schreibst du lebendiger und bewegter.
  8. Teile lange Wörterketten. Ungetüme wie „Krankenhausverwaltungsvorschrift“ liest niemand gern, komplexe Begriffe lassen sich aufteilen oder umschreiben.
  9. Setze Anglizismen und Umgangssprache bewusst ein. Anglizismen brauchst du nur, wenn kein deutsches Wort passt. Gesprochene Sprache solltest du nicht 1:1 übernehmen, sie wirkt im Text holprig. Entwickelst du jedoch einen Charakter, der z. B. Dialekt oder Slang spricht, ist Platz dafür in Dialogen.
  10. Ersetze Klischees und Floskeln. Entwickle eigene Bilder und Vergleiche, und setze konkrete Aussagen an die Stelle leerer Phrasen.
  11. Achte auf Modewörter wie „mega“ und „super“. Inflationär gebraucht, wirken sie abgedroschen.
  12. Prüfe Metaphern auf Stimmigkeit. Ein „roter Faden, der im Nebel ertrinkt“ ist ein Bildermix und wirkt unfreiwillig komisch.
  13. Erkläre Fachbegriffe und Abkürzungen beim ersten Mal. So fühlen sich auch Außenstehende nicht ausgeschlossen.

5. Kleine Wörter mit großer Wirkung

Manche unscheinbaren Wörter nehmen einem Text Kraft. Das sind meine liebsten Streichkandidaten aus dem Lektorat. (Schau dir ergänzend auch diese Übersicht an: 15+ Tipps aus dem Lektorat, die dein Manuskript sofort verbessern.)

  1. Schreibe aktiv statt passiv. Passivsätze wirken blass, weil sie der Handlung den Akteur nehmen. Aus „Die Tür wurde geöffnet“ wird „Er öffnete die Tür“. Auch der Konjunktiv kann bremsen, mehr in Passiv und Konjunktiv, zwei stille Bremsen in deinem Text.
  2. Wähle „können“ statt „dürfen“, um selbstbestimmt zu handeln. „Ich kann Nein sagen“ wirkt aktiver als „Ich darf Nein sagen“. Prüfe auch, ob sich deine Figuren ständig eine Erlaubnis holen. Mehr in meinem Artikel Lektorat: Raus aus der Dürferitis.
  3. Behalte „dürfen“, wo es Wertschätzung ausdrückt. Meint der Satz ein Geschenk, eine Chance oder ein Privileg, passt „dürfen“ besser.
  4. Ersetze „versuchen“ durch die Handlung. Aus „Sie versuchte, die Tür zu öffnen“ wird: Sie rüttelte am Schloss. Oft genügt ein präziseres Verb. Siehe Lektorat: Warum konkrete Verben oft besser sind als „versuchen“.
  5. Lass „versuchen“ stehen, wenn Scheitern oder Ringen zählt. Bei einem möglichen Misslingen, Kontrollverlust oder offenem Ausgang trägt das Wort die Spannung.
  6. Streiche „beinahe“ (und „fast“). „Sie wäre beinahe gestürzt“ lässt die Gefahr folgenlos im Raum stehen. Zeige lieber, was tatsächlich passiert. Mehr dazu in Lektorat: Streiche „beinahe“ aus deinem Manuskript.
  7. Mache den Klarheitstest bei Possessivpronomen. Wäre ohne das Wort unklar, wem etwas gehört? Wenn nicht, streichen. „Der Hund wedelte mit dem Schwanz“ genügt. Mehr in Lektorat: Streiche überflüssige Possessivpronomen.
  8. Behalte Possessivpronomen, wenn der Besitz erzählerisch wichtig ist. Benutzt eine Figur etwas, das ihr nicht gehört, sagt das etwas. Doppelte Pronomen in einem Satz kannst du meist streichen.
  9. Streiche Dopplungen jeder Art. „Komm her“, sagte sie und winkte ihn zu sich: Das sagt zweimal dasselbe. Ein starkes Bild braucht keine Wiederholung.
  10. Prüfe jedes „es“. „Es regnet“ ist korrekt, aber „Regentropfen trommelten auf das Dach“ zeigt eine Szene. Mehr zu diesem mir sehr wichtigen Thema in Lektorat: Nähe statt Distanz – warum gute Texte ohne „es“ und „man“ auskommen.
  11. Ersetze „man“ durch ein konkretes Subjekt. „Man merkte sofort, dass etwas nicht stimmte“ wird zu „Sie spürte sofort, dass etwas nicht stimmte“. Spürst du die Wirkung und Nähe der Figur zum Geschehen und nicht mehr die Distanz?
  12. Kenne die zwei Ausnahmen, wann „es“ und „man“ im Text ihre Berechtigung haben. „Es“ ist in Ordnung als Statthalter eines neutralen Substantivs („Das Dach … Es glänzte“). „Man“ passt bei bewusst verallgemeinernden Aussagen.
  13. Mache den Vier-Schritte-Check. Markiere jedes „es“ und „man“, prüfe die Notwendigkeit, prüfe die Ausnahmen, und suche andernfalls das eigentliche Subjekt der Handlung.
  14. Nutze die Suchfunktion für deine Problemwörter. Suche gezielt nach „versuchen“, „beinahe“, „man“ und Co. und prüfe jede Fundstelle einzeln.

6. Perspektive, Zeit und Nähe

Bevor du einzelne Sätze schleifst, prüfe das Fundament. (Schau hierzu weiterführend in meine ausführlichen Artikel Wie gestalte ich Nähe oder Distanz eines Textes?, Welche Erzählzeiten werden unterschieden? und Was ist die Erzählperspektive?)

  1. Wähle eine Erzählperspektive und bleibe dabei. In der personalen Perspektive sieht der Leser die Welt nur durch die Augen einer Figur. Was sie nicht wissen kann, darf nicht in den Text rutschen.
  2. Ändere die Erzählzeit nicht mitten im Text. Präsens erzeugt Nähe, Vergangenheit Distanz. Beides funktioniert, solange du dich konsequent daran hältst.
  3. Setze Rückblicke und Zeitmarker richtig. Rückblicke im Gegenwartstext stehen in der Vergangenheit, Vorvergangenheit im Plusquamperfekt. Wörter wie „heute“ oder „jetzt“ gehören in die Gegenwart, „gestern“ und „damals“ in die Vergangenheit.
  4. Entscheide bewusst über Nähe oder Distanz. Willst du persönlich ansprechen oder sachlich erzählen? Ein unpersönlicher Stil ist okay, wenn du nur informieren oder neutral schildern willst.
  5. Schaffe Nähe zur Figur. Bleibe bei deinem Protagonisten und zeige seine Gefühle über Handlung, Körpersprache und innere Monologe. Aus „Tom war wütend“ wird: Tom ballte die Fäuste.
  6. Verwandle Distanz in Nähe, zum Beispiel durch die Ich-Perspektive. Sie bringt Leser:innen unmittelbar an die Figur heran.
  7. Vermeide indirekte Wahrnehmungsverben. „Sie sah, dass Tim die Treppe hochkam“ schafft Abstand. „Tim kam die Treppe hoch“ steht näher an der Szene.

7. Zeigen statt erklären: Vertrauen, Show, don’t tell und Gefühle

Texte wirken, wenn Leser:innen mitdenken und mitfühlen dürfen. (Meine ausführlichen Hinweise dazu findest du in Lektorat: Unterschätze die Intelligenz deiner Leser nicht!, Was bedeutet Show, don´t tell und Emotionen schreiben: 5 Techniken)

  1. Unterschätze die Intelligenz deiner Leserschaft nicht. Du musst nicht jede Lücke erzählerisch füllen. Wenn du alles erklärst, nimmst du den Lesenden die Freiheit, selbst zu assoziieren, und dem Text seine Tiefe.
  2. Streiche erklärende Begründungen probeweise. Wörter wie „weil“, „damit“ und „um … zu“ deuten oft darauf hin, dass du deinem Text nicht genug vertraust. Meist trägt die Szene sich selbst.
  3. Spare dir Anmoderationen. Erkläre nicht vorab, was gleich passiert. Zeige es.
  4. Zeige, statt zu erklären („Show, don’t tell“). Immer wenn du Eigenschaften, Stimmungen oder Beziehungen nur benennst, frage dich, ob du sie sichtbar, hörbar oder spürbar machen kannst.
  5. Zeige Gefühle, statt sie zu etikettieren. „Traurig“, „wütend“ und „glücklich“ sind bequeme, aber blasse Abkürzungen. Frage dich: Was macht das Gefühl mit dem Körper, den Gedanken, dem Verhalten?
  6. Finde individuelle Körpersprache. Standardfloskeln wirken beliebig. Dieselbe Regung, etwa Tränen, kann bei verschiedenen Figuren Wut, Schmerz oder Trauer bedeuten.
  7. Nutze Bilder für Gefühle. Metaphern und Vergleiche machen Gefühle greifbar und wecken Erinnerungen bei den Lesenden.
  8. Erlaube widersprüchliche Gefühle. Freude gemischt mit Angst, oder Gefühl und Handeln, die auseinanderlaufen, machen Figuren glaubwürdig und vielschichtig.
  9. Beginne Szenen mit einem Gefühlseinstieg. Ein Sinneseindruck, eine innere Regung oder eine überraschende Reaktion schafft sofort Nähe, noch bevor Handlung oder Dialog einsetzen.

8. Dialoge, Szenen und Spannung

Wie bewegt sich deine Geschichte? Diese Tipps betreffen Tempo, Gespräche und Szenenaufbau. (Weiterführend lies diesen Schreibtipp: Wie gelingt ein guter Dialog?)

  1. Lass Figuren so sprechen, wie sie sind. Kinder reden anders als Erwachsene, eine Lehrerin anders als ihr Schüler. Alter, Herkunft, Bildung und Situation müssen hörbar sein, sonst verlieren deine Figuren ihr Gesicht.
  2. Setze Redebegleitsätze nach der wörtlichen Rede. Sie sollen stützen, nicht ankündigen, und oft brauchst du sie gar nicht, wenn aus dem Kontext klar ist, wer spricht.
  3. Zerlege Alltagsabläufe nicht in Einzelschritte. „Sie machte sich im Bad fertig“ genügt, es sei denn, auf dem Weg dorthin passiert etwas Wichtiges.
  4. Orientiere deine Leser:innen bei jedem Szenenwechsel. Beantworte knapp: Wo sind wir? Zu welchem Zeitpunkt? Wer handelt? Warum?
  5. Prüfe Nebensätze mit „als“, „während“, „weil“, „obwohl“. Was Spannung trägt, verdient einen eigenen Satz. „Die Tür fiel ins Schloss. Sie zuckte zusammen.“ wirkt stärker als „Sie erschrak, als die Tür zufiel.“
  6. Setze Wendepunkt und Höhepunkt bewusst. Der Moment, in dem eine Entscheidung oder Entdeckung der Hauptfigur alles kippen lässt, braucht Raum. Mehr in Der Moment, der alles verändert: Wendepunkt und Höhepunkt einfach erklärt.
  7. Baue einen Spannungsbogen. Wirf Fragen auf, zeige Konflikte und arbeite auf ein Ziel hin, sonst verlieren deine Leser:innen das Interesse. Hierfür kannst du dich an der Heldenreise orientieren.

9. Struktur und Lesbarkeit

Ein klarer Aufbau macht deinen Text starkt. (Weitere Punkte findest du in 100+ Schreibfehler, die fast jede:r macht)

  1. Setze bei jedem Themenwechsel einen Absatz. Auf Bildschirmen halte sie bei etwa vier bis sechs Zeilen, sonst werden sie schwer lesbar.
  2. Nutze Zwischenüberschriften und Zwischenfazits bei langen Texten. Sie geben Orientierung und Lesepausen.
  3. Lege die Kernaussage vorab fest. So bekommst du einen roten Faden und verzettelst dich nicht in zu vielen Nebenthemen.
  4. Schaffe Übergänge. Verbindende Formulierungen wie „Außerdem …“ oder „Im Gegensatz dazu …“ verhindern, dass Leser:innen stolpern.
  5. Formuliere eine klare Überschrift und prüfe sie nach dem Schreiben. Der Titel soll konkret zeigen, wovon dein Text handelt, und erfüllen, was er verspricht.
  6. Steige mit Frage, Anekdote oder These ein. Komm schnell auf den Punkt, statt lange um den „heißen Brei“ herumzulaufen.
  7. Beende deinen Text mit einem Fazit. Fasse die wichtigsten Punkte zusammen, damit der Text nicht abrupt endet. Bei Unterhaltungsliteratur gestalte eine Szene, die deine Leser:innen zufrieden macht oder ihnen ein „Aha“ entlockt.

10. Vom Manuskript zur Veröffentlichung

Bevor dein Text hinausgeht, an Verlage, Lesende oder direkt ans Publikum, arbeite an Form und auch optischem Auftritt.

  1. Verstehe die Normseite. Sie ist das einheitliche Maß für Manuskripte: DIN A4, 30 Zeilen mit je 60 Zeichen, also 1.800 Zeichen pro Seite. Lektorate, Verlage und Agenturen kalkulieren danach.
  2. Richte dein Normseiten-Dokument in Word ein. Ränder oben und unten 3,7 cm, links 2,5 cm, rechts 4,2 cm, Arial 12, Zeilenabstand 1,5, Einzug und Abstand auf 0. Speichere dir das Dokument als Vorlage und schreibe darin dein Manuskript.
  3. Gib im Exposé den Kern deiner Geschichte wieder. Handlung, Hauptfiguren mit Motiven, Rahmen, Konflikte, Themen, Zielgruppe und grober Verlauf bis zum Ausgang gehören hinein.
  4. Schreibe das Exposé im Präsens. Unabhängig von der Zeitform deines Manuskripts.
  5. Halte das Exposé kurz und konkret. Maximal etwa fünf bis sechs Seiten, oft weniger. Verrate den Ausgang statt Neugier zu wecken und beachte die Vorgaben des Verlags oder Wettbewerbs.
  6. Gib Quellen bei Zitaten an. Fehlende Quellenangaben wirken unseriös, nenne immer Autor:in oder Quelle.
  7. Teste alle Links. Nichts frustriert mehr als eine Fehlermeldung statt des versprochenen Inhalts.
  8. Versieh Bilder mit kurzen Bildunterschriften. Sie geben Kontext oder nennen die Quelle.
  9. Hebe Schlüsselbegriffe hervor. Fett oder kursiv gesetzte Kernaussagen gehen im Text nicht so leicht unter.
  10. Sorge für ein einheitliches Layout. Unterschiedliche Schriften und Größen irritieren und wirken unprofessionell.

Fazit

Du musst nicht alle 99 Tipps auf einmal umsetzen. Such dir die heraus, die zu deinem Text und deiner Phase passen, und gehe Schritt für Schritt vor. Überarbeiten ist ein Prozess, kein Sprint.

Wenn du dir für dein Manuskript einen zweiten, sorgfältigen Blick von außen wünschst, begleite ich dich gern mit meinem Angebot Textharmonie: Feinschliff für deine Worte.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Überarbeiten deines Manuskripts und wenn du Hilfe brauchst, weißt du jetzt, wie du mich findest.

Mit KREativen Grüßen

Gabi

PS: Für diesen Blogartikel habe ich KI genutzt: Claude hat für mich meine bestehenden Blogartikel der Kategorie Lektorat & Korrektorat durchsucht und mir die Tipps rausgesucht und strukturiert. Eine reine Fleißaufgabe, die ich gerne abgegeben habe. Und trotzdem ist der Artikel 100% Gabi-Text, denn die Formulierungen habe ich überarbeitet und final geprüft.


Frau schaut durch Herzrebe, daneben steht "Liebe, die durch Worte strahlt"; Claim von Gabi Kremeskötter

Gabi Kremeskötter

Liebe, die durch Worte strahlt

Freie Rede Schreibworkshops Lektorat


Von Gabi Kremeskötter

Geb. 1966 in Pinneberg, wohnhaft in D-56841 Traben-Trarbach/Mosel/Rheinland-Pfalz, Dozentin für KREatives Schreiben, Lektorin & Korrektorin, Freie Rednerin für Trauungen, Kinderwillkommensfeste und Trauerfeiern, Autorin Juli Norden. Mehr zu mir und meinem Schaffen findest du auf meiner Über-mich-Seite.

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