Meine zehn liebsten Textformen des Kreativen Schreibens

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Eine in eine Kladde schreibende Hand mit Kugelschreiber

Schreiben macht Spaß! Darf Spaß machen, soll Spaß machen! Das verinnerlicht kann Schreiben den Weg in die eigene Kreativität öffnen. Dies zu erreichen in meinen Schreibkursen, ist mir Antrieb und Motivation. Dafür sammele ich Ideen, entwickle Schreibimpulse, mit denen ich meine Schreibenden in Schreibflow versetze.

Dabei haben sich in den Jahren meiner Arbeit einige geeignete Textformen heraus kristallisiert. Weil sie einfach erklärbar, gut vermittelbar und vor allem leicht umsetzbar sind. Für manche brauchst du nur wenige Minuten, andere sind anspruchsvoller und entwickeln ihren Reiz durch das Einhalten klarer Regeln.

Sowohl in der Lyrik als auch Prosa finden sich diese Textformen, niemand wird aufgefordert, direkt einen Roman zu schreiben. Hier stelle ich dir meine liebsten Textformen vor und bin gespannt, ob du spontan animiert wirst loszuschreiben 🙂 Zum Thema „Was ist Kreatives Schreiben“ habe ich bereits früher einen Artikel geschrieben, du kannst ihn gern für weitere Informationen anschauen.

Der Dreiminutentext

Wer bereits mit mir zu tun hatte, kennt ihn: Meinen Einstieg in jede „Schreib:Zeit“ starte ich mit einem Dreiminutentext. Drei Minuten spontan schreiben, nicht lange überlegen, sondern direkt loslegen.

Das Thema? Kann alles sein: eine Zahnbürste, mein Abendessen, ein Glas Wasser oder ein Traum. Schau dich um, was dir ins Auge fällt und los! Du kannst überall schreiben, kein Tag – auch kein Abend! – ist zu kurz, um nicht drei Minuten lang deine Gedanken zu einem Thema festzuhalten.

Wichtig dabei ist, dass du genau nach drei Minuten aufhörst, also Wecker stellen! Selbst wenn dich das Klingeln aus einem unvollständigen Satz reißt: ihn so stehen zu lassen, fördert den Schreibflow, denn du kannst später genau dort ansetzen und weitermachen. Vor allem erkennst du: du hast KEINE Schreibblockade:-) Denn das ist das Kernthema des Kreativen Schreibens: Spaß und Leichtigkeit in dein Schreiben zu bringen!

Der Zeilenbruch

Ich mag kurze Texte. Sie stecken voller Andeutungen, erreichen dadurch eine Ausdruckskraft, die durch ihr „weniger ist mehr“ bestechen. Meine Lieblingsübung dazu ist, einen kurzen Prosatext (Fließtext bestehend aus ganzen Sätzen mit Subjekt, Prädikat und Objekt) aus seiner festen Form zu reißen, ihn zu zerstückeln und einzelnen Satzteilen jeweils eine eigene Zeile zu gewähren. Dadurch wird der Prosatext Lyrik! Genau! Einfach mal ausprobieren und den eigenen, ganz besonderen Aha-Effekt verspüren. Wie ich den Zeilenbruch für mich entdeckte sowie eine kleine Anleitung, ihn zu verfassen, habe ich bereits früher in zwei unterschiedlichen Blogartikeln beschrieben. Schau sie dir gern weiterführend an:-)

Das Elfchen

Da wir gerade bei Lyrik sind, darf natürlich das Elfchen nicht fehlen. Diese wirklich einfache, sehr poetische Textform leitet sich von der Zahl ELF ab: das Gedicht besteht aus genau elf Worten, die in insgesamt fünf Zeilen formatiert werden.

Die erste Zeile hat ein Wort, die zweite zwei, die dritte Zeile drei, die Vierte vier und die fünfte Zeile zuletzt wieder nur ein Wort. Macht insgesamt elf Worte. Wirklich ganz einfach! Probiere das direkt einmal aus:-)

Hier ein Beispiel:

Ein Elfchen: Gedicht „Energie“ (c) Juli Norden 02.01.23

Das Akrostichon

Ich gestehe, auch ich finde manches Mal nicht direkt Zugang zu einem Thema. Der Begriff reizt mich, doch Zeilen voller Sätzen wollen nicht fließen. Dann helfe ich mir auf die Sprünge und schreibe die Buchstaben des Begriffes einfach in Großbuchstaben untereinander. Dadurch bilden sich die Zeilenanfänge in Buchstabenform und ich fülle sie nach und nach mit Worten, die mit genau diesem Buchstaben beginnen, auf.

Die Begriffe, die ich so finde, haben alle mit dem Kernthema zu tun und letztendlich ergibt sich daraus eine ebenfalls lyrische Form, die mehr darstellt als eine Aufzählung von Worten. Dabei können die einzelnen Zeileninhalte auch mehr als ein Wort umfangen, ganze Sätze sind möglich. Eine spannende Textform, die durchaus auch als Gedankenwolke verstanden werden kann, oder magst du das lieber Brainstorming nennen? Jede und jeder, wie er mag:-) Auch hier ein Beispiel:

Akrostichon „Tiefschlaf“ (c) Juli Norden 16.12.22

Haiku und Senryu

Um den lyrischen Textformen noch ein japanisches Format hinzuzufügen, darf natürlich dieser Dreizeiler nicht fehlen. Generell besteht sowohl ein Haiku als auch ein Senryu aus genau drei Zeilen, davon die erste und dritte Zeile aus insgesamt fünf Silben, die mittlere, also zweite Zeile hingegen aus sieben Silben.

Der Unterschied zwischen Haiku und Senryu besteht darin, dass ein Haiku einen eindeutigen Natur- und Jahreszeitenbezug haben sollte, damit sich der Dreizeiler auch wirklich HAIKU nennen darf. Wichtig dabei ist jedoch, dass die Jahreszeit nicht wörtlich genannt wird, also der Fühling, Sommer, Herbst oder Winter nur symbolisch erscheint: Kirschblüten für z. B. Frühling, fallendes Laub für Herbst.

Hier wird oftmals nicht genau genug unterschieden, sprich als Haiku benannt, ohne es der strengen Regel nach zu sein; einfach, weil viele Lyrikfreunde diesen eindeutigen Unterschied nicht kennen. Das Haiku steht in einer uralten japanischen Tradition, wer mehr über seine Ursprünge wissen möchte, schaut gern bei bei Japanwelt.de vorbei, einem guten Blog dazu, wie ich finde.

Senryu nennen sich somit alle anderen Dreizeiler im 5-7-5-Silbenformat, die keinen eindeutigen Natur- und Jahreszeitenbezug haben. Für beides habe ich hier ebenfalls ein Beispiel parat:

Gedichtform „Haiku“ und „Senryu“ (c) Juli Norden 22.03.22

Das Drabble

Diese kurze Prosa-Textform mag ich wirklich sehr. Leitet sie in meiner Bestenliste meiner liebsten Textformen zudem wunderbar von der Lyrik zum Schreiben von Fließtexten über. Auch hier ist der Umfang der Worte klar vorgegeben: genau 100 Worte hat ein Drabble, nicht 98 oder 110 sondern genau 100! Allerdings wird die Überschrift nicht mitgezählt. Wer sich einmal damit auseinandersetzt und daran versucht, wird feststellen, dass die Einhaltung dieser Regel durchaus spannend und herausfordernd sein kann.

Wie schreibe ich ein Drabble? Ich lege los, schreibe, was mir einfällt und erst wenn ich meine, ich habe meine Aussage fertig formuliert, zähle ich per Hand – oder leichter mit der Überprüfungs-Funktion „Wörter zählen“ bei z. B. Word. Je nachdem, wie viele Worte mir noch fehlen oder ich streichen muss, beginnt die Überarbeitung des Textes. Spannend dabei ist, wie mich diese Differenzen zum Auffüllen oder Weglassen zwingen. In jedem Fall erstaunlich, mit wie wenig Worten doch eine kleine Geschichte vollumfänglich erzählt werden kann:-)

Die Kurzgeschichte

Meine Schreibkurse sind meist zeitlich befristet, bei der VHS schreiben wir wöchentlich 1 1/2 bis 2 Stunden. Mit Vorlesezeiten und Schreibspielen verfliegt die Zeit. Daher ist die Kurzgeschichte eine nicht zu unterschätzende, absolut anspruchsvolle Textform, die jedoch den zeitlichen Rahmen für z. B. Hausaufgabenstellungen nicht sprengt.

Wodurch zeichnet sie sich aus, was sind ihre Merkmale? Kurz skizziert möchte ich zusammenfassen:

  • Eine Kurzgeschichte springt mit der Erzählung ohne große Einleitung direkt in das Geschehen hinein.
  • Sie breitet sich aus und schildert kurz und prägnant die Gegebenheiten.
  • Ein bis zwei handelnde Personen und den Konflikt nur in dem Maße, wie dies für das Verständnis und den Spannungsaufbau nötig ist.
  • Die Erzählweise ist idealerweise nur einsträngig, damit der Umfang nicht überhand nimmt.
  • Zwei bis fünf Seiten sind hierfür üblich, aber natürlich entscheidet das letzten Endes die Autorin oder der Autor.

Irgendwann später werde ich der Kurzgeschichte noch einen eigenen Blogartikel widmen, für´s Erste mag diese kurze Übersicht an dieser Stelle zunächst reichen.

Der Monolog

Im Kreativen Schreiben wird hervorgeholt, was in jeder Autorin und jedem Autor steckt: Sie und er selbst. Die eigene Gedankenwelt und eigenes Erleben sind stets Grundlage jeder Erzählung, selbst, wenn sie in der Endfassung fiktiv und ausgedacht ist. Woher kommen schließlich die Ideen, die die Schreibenden formulieren? Aus dem eigenen Kopf direkt in die Schreibwerkzeuge. Auch hierüber habe ich schon früher einmal nachgedacht und geschrieben: Autobiographisch oder nicht? Wieviel „Eigenleben“ steckt im Text einer Autorin, eines Autors?

Der Monolog ist prädestiniert dafür, eine Gedankenwelt zu öffnen für den Leser. Dabei ist vollkommen egal, ob dieser Kosmos ein echter oder fiktiver ist. Diese Textform ist vor allem eines: eine einfache Möglichkeit, in den Schreibfluß zu kommen. Aufschreiben, was einen bewegt, in Gedankenschleifen herumirren lässt, Lösungsansätze suchen, finden und nutzen. All das gibt die Textform Monolog her, dafür braucht niemand ein literarisches Genie zu sein. Also ran an die Tastatur: Was geht dir im Kopf herum und will textlich eingefangen werden? Führe ein Selbstgespräch mit dir und wundere dich, was dabei alles zu Tage tritt!

Der Brief

Früher haben wir alle Briefe geschrieben. Früher, als wir noch keine elektronischen Textverarbeitungssysteme hatten. Die heutige E-Mail kann natürlich durchaus noch als Brief verstanden wissen, jedoch dient sie ja doch vermehrt nur noch der rein geschäftlichen Korrespondenz.
Mir gefällt im Gegensatz dazu der klassische Briefwechsel sehr gut, um einem ganz bestimmten Adressaten etwas mitzuteilen. Ganze Romane werden als Briefwechsel verfasst, von daher: wann hast du das letzte Mal einen echten Brief geschrieben, beginnend mit „Liebe Mama“ oder „Lieber Stefan (oder Michael oder Cousin Ludwig)“?

Auch hier gilt ja das Prinzip des Kreativen Schreibens: in den Schreibfluss geraten, sich nicht von komplizierte Text-Konstruktionen hemmen oder beschränken zu lassen. Wem würdest du gern einmal einen Brief schreiben? Deiner neuen Liebe oder besser eine gepfefferte Meinungsansage an deinen Ex?

Nur zu, lasse alle deine Gedanken aufs Papier fließen! Wenn du gar niemanden weißt, der einen solchen Brief erhalten soll, schreibe dir selbst einen, z. B. deinem zukünftigen Ich:-)

Der Essay

Last but not least, möchte ich den Essay nicht unerwähnt lassen. Ich mag ihn sehr. Der Name dieser etwas anspruchsvolleren Textform kommt aus dem Französischen, leitet sich ab vom Verb „essayer“ – etwas versuchen. Streng übersetzt ist der Essay, manche sagen auch „das“ Essay, ein Versuch über etwas. Die schriftliche Auseinandersetzung mit einem Thema.

Das kann alles sein: ein Urlaubsort, die Zubereitung von Kaffee, eine Sammelleidenschaft oder Lernmethode. Alles, was den Schreibenden interessiert, textlich zu beschreiben und zu analysieren. In der Schule sagte meine Deutschlehrerin dazu auch „Erörterung“. Wir sammelten Vor- und Nachteile, Argumente und Gegenargumente, die wir gegenüberstellten, um am Ende eine persönliche Schlussfolgerung zu formulieren.

Denn das ist bezeichnend für einen Essay: die persönlich eingefärbte Sichtweise und Meinung der Autorin wird klar erkenntlich, das individuelle Erleben, die Wahrnehmung und Beobachtungen des Autors fließen allesamt in seinen Versuch, sich dem Thema anzunähern, ja hinzugeben. Tatsächlich schrieb ich vor langer Zeit meinen „Versuch über Wände“, ja auch das geht! Wände aus Beton führten mich dabei zu den Mauern im Kopf. Was dabei herauskam? Siehe hier:

Kurz-Essay über Wände (c) Gabi Kremeskötter 16.05.13

Ja, ja, auch ich habe einmal klein angefangen, lach:-) Dieser Essay ist fast zehn Jahre alt und stammt aus meinen Anfangszeiten, als ich gerade begonnen hatte, Kreatives Schreiben zu studieren. Dass ich diesen Text mit einem Schmunzeln zeige, mag jede motivieren, selbst zu schreiben. Denn wie ich eingangs bereits erwähnte, steht ein Grundsatz über meiner Arbeit: Schreiben macht Spaß! Darf Spaß machen, soll Spaß machen! Das verinnerlicht kann Schreiben den Weg in die eigene Kreativität öffnen.

Du hast Lust, mit mir zu arbeiten? Dann melde dich entweder über mein Kontaktformular oder schreib mir eine E-Mail an info@gabi-kremeskoetter.de und wir gehen in den Austausch.

Ich freue mich darauf!
Bis dahin, liebe Grüße,

Gabi

3 Kommentare

  1. Liebe Gabi,
    für mich sind die Schreib:Zeiten mit Dir eine wahrhafte Bereicherung und besonders: eine Freude! Du hast völlig Recht: mit der richtigen Taktik (Technik) wird mir immer wieder klar, dass es keine Schreibblockaden gibt. Gewusst wie! Und weil DU weisst wie, freue ich mich auf die nächste Schreib:Zeit.
    Und ich dachte, Lyrik sei nichts für mich. Von wegen!
    HerzDank auch für Deine Blogbeiträge!

    Herzlich,
    Rosemarie Schmitt

    1. Herzlichen Dank dir, Rosemarie! Ich freue mich sehr über dein Feedback – und ja: Unsere Kursabende sind auch für mich jedes Mal bereichernd. Ihr seid eine tolle Truppe und ich habe viel Freude daran, euch mit meinen Impulsen stets in Schreiblaune zu versetzen:-) Liebe Grüße, Gabi

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