Die Sache mit dem Mond und dem Regenbogen

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Frau vor Baum mit Efeu schaut nachdenklich zur Seite
Ich bin kein spiritueller Mensch, aber Magie finde ich auch in meinem Leben!

Ich würde mich nicht als spirtuell bezeichnen. Auch Schicksal oder Vorhersehung haben keinen Platz in meinem Leben. Doch ein tiefer Glaube an die Zusammenhänge der Natur erfüllt mich. Alles hängt mit allem zusammen: die Erde, wir Menschen, Flora, Fauna und Funga. So viel, so gut. Und warum spricht mich dann die Blogparade von Marianna Sajaz so an? Sie thematisiert Magische Momente in deinem Leben. Weil ich bei allem Realitätssinn, den ich habe, eben doch auch das Unsichtbare fühle, mich davon anziehen und leiten lasse. Was der Mond und der Regenbogen damit zu tun haben, genau das werde ich dir in meinem Blogartikel nun erzählen.

Die Sache mit dem Mond

Sonne und Mond, diese zwei Symbole für Tag und Nacht habe ich schon als Kind auf meiner Bettwäsche geliebt. Ich hatte eine ganz besondere, die auch heute noch in meinem Wäscheschrank liegt: auf der einen Seite hellblauer Himmel mit weißen Wattewolken und einer Sonne auf dem Kissen, auf der anderen Seite dunkelblaue Nacht mit Sternen und dem Mond.

Behaglich und sicher aufgehoben, so erinnere ich mich an meine Nächt darin. Jugendliche Schwärmerei, Einbildung, nenne das, wie du möchtest. Doch der Mond gab mir Sicherheit, wenn ich abends meinen Kopf darauflegte und das Dunkelblau mich umhüllte.

Als Erwachsene habe ich jeden Vollmond, den ich zu Gesicht bekam, angehimmelt, im wahren Wortsinne 🙂 Sein Leuchten, das das Licht der Sonne widerspiegelt, erhellt die dunkle Nacht, wenn er rund und verlässlich seine Bahn um die Erde dreht. Und die Magie dahinter? Wie hat sie sich mir gezeigt? In welchem Moment hat sich mir der Mond unabänderlich in meine Seele gebrannt?

Mein Vater lag im Sterben. Die Nachricht, er würde die Nacht wohl nicht überstehen, erhielt ich telefonisch am späten Nachmittag. Mehr als sechshundert Kilometer weit weg von mir lag er in einem Seniorenheim, dement und bereits mehr oder weniger der Welt entrückt. Meine Mama fuhr noch einmal zu ihm hin. Erzählte ihm von unserer Familie, grüßte ihn auch von mir. Sagte ihm, es sei okay, wann immer er sich dazu entschiede zu gehen. Sein Leben war schließlich gut, glücklich und voller Liebe gewesen.

Gegen neun war Mama wieder daheim und wir telefonierten noch einmal. Sie erzählte mir von ihrem Besuch. Mit liebevollen, aber auch traurigen Gedanken schlief ich später ein. Mein Schlafzimmer zeigt auf die Weinberge, wie immer öffnete ich beide Fensterflügel auch in dieser warmen Julinacht vor drei Jahren.

Warum erwachte ich um kurz nach drei Uhr nachts? Schaute hinaus in die Nacht, die hell erleuchtet vom Mond eine friedlich-stille Mosellandschaft zeigte. Ich blickte dem Mond ins Gesicht und ja, dort saß er: mein Papa und blinzelte mir zu. Er winkte und lächelte, ich sah seine beiden Grübchen und seine Fröhlichkeit. „Tschüss, Papa! Gute Reise“, dachte ich und schlief wieder ein.

Vollmondnacht mit angestrahlten Wolken
In so einer Vollmondnacht blinzelte mein Papa mir sein „Tschüss“.

Am Morgen klingelte mein Telefon, meine Mama war dran. „Gabi, dein Vater hat es geschafft. Er ist heute Nacht ganz friedlich eingeschlafen.“ Als ich nach der Uhrzeit fragte, antwortet sie: „Kurz nach drei muss das gewesen sein, die Nachtschwester hatte gerade nach ihm gesehen.“

Da hatte ich meinen magischen Moment. Mein Papa war tatsächlich vorbeigeflogen und hatte Tschüss gesagt. Seitdem sehe ich ihn in jeder Nacht, die den Mond durch mein offenes Fenster strahlen lässt 🙂

Die Sache mit dem Regenbogen

Auch mein zweiter magischer Moment hat mit einem Naturphänomen zu tun, dem Regenbogen. Sein Erscheinen ist genauso physikalisch erklärbar wie das Kreisen des Mondes um die Erde, die Gezeiten, das Wettergeschehen und die Temperaturen. Als die Natur Liebende habe ich natürlich auch ein Augenmerk auf besonders schöne Momente. Dazu gehört definitiv ein Regenbogen nach einem Gewitter oder Wolkenbruch.

Ich fuhr Mitte Mai vor zwei Jahren am frühen Abend von einer Wanderung durch den Nationalpark Hohes Venn von der Eifel heim in Richtung Mosel. Gerade noch trocken ins Auto! Denn als ich zehn Minuten unterwegs war, ging ein ordentliches Gewitter über mir runter. Ich bin eine sichere, erfahrene Fahrerin. Mein Auto lag sicher und ruhig auf der Straße, die Reifen hatten guten Grip. Das Gewitter zog über mich hinweg, ich fuhr unaufgeregt weiter. Plötzlich, als ich aus einem Waldstück auf offenes Feld traf, spannte sich über meiner Straße ein 180° breiter, riesiger, farbenprächtiger Regenbogen auf.

Ich staunte nicht schlecht und da ich vollkommen allein auf der Strecke unterwegs war, hielt ich am Straßenrand an. Öffnete die Tür, holte aus dem Kofferraum meine Kamera heraus und fotografierte ihn. Aus immer neuen Blickwinkeln, mit unterschiedlichem Zoom. Bestimmt fünf Minuten war ich gebannt von diesem wunderschönen Farbenspiel.

Ein Regenbogen vor Gewitterhimmel über freiem Feld
Regenbögen faszinieren mich! Anhalten, bewundern staunen 🙂

Die Sonne blitzte hervor und ich erinnerte mich: ich wollte ja nach Hause! Also alles wieder eingepackt und weiter ging die Fahrt. Etwa dreißig Minuten später hatte die Sonne die Straßen abgetrocknet. Blauer Himmel wechselte sich mit Wolken ab. Die dunkelgraue Gewitterfront war weit weg und aus meinem Fokus verschwunden.

Kurz vor dem Dauner Autobahndreieck erreichte ich die Autobahn Richtung Trier. Gab Gas, nahm die linke Spur und freute mich auf die warme Badewanne zuhause. Ich drehte die Musik noch etwas lauter, genoß das Fahren und vor allem die freie Autobahn. In knapp einer Dreiviertelstunde wähnte ich mich daheim. Von wegen. Wie aus dem Nichts, als hätte ein Lineal die Linie gezeichnet, lag eine bestimmt drei Zentimeter dicke Eisschicht auf dem Asphalt.

Ich hatte sie nicht kommen sehen. Der Kontrast aufgrund der tiefer stehenden Sonne gab das nicht her. Ich raste mit mehr als 150 km/h auf die Hagelkörner, die schmelzend bei 9°C eine schmierige, rutschige, nicht beherrschbare Masse ergaben.

Ein zaghafter Bremsversuch zeigte mir: keine Reaktion. Ich bremste nicht weiter. Mein Papa war seinerzeit Rallyefahrer und eines habe ich nie vergessen: „Wenn du erst einmal rutschst, rutschst du und starke Brems- oder Lenkmanöver sind absolut kontraproduktiv. Daher halte einfach nur das Lenkrad fest. Fest und geradeaus.“

Daran hielt ich mich und rutschte auf der linken Spur geradeaus. Als ein Reifen Grip hatte zog sich das Auto quer und rutschte weiter. Bis der nächte Bodenkontakt einsetzte und das Auto gegen die Leitplanke schob. Hier schlug ich an, rutschte weiter an der Planke entlang, hörte ein fieses, lautes Kreischen und Schleifen. Dann löste sich der Wagen wieder und zog weiter mit der Front voraus.

Ich kann nicht sagen, wie viele Meter ich so über die Autobahn schlidderte. Doch irgendwann war der Eismatsch dünn und ich langsam genug. Sodass das Gewicht des Autos die Reifen auf den Asphalt drückte und ich endlich, endlich wieder die Gewalt über mein Fahrzeug zurückbekam. Ich lenkte den Wagen auf den Seitenstreifen und kam dort zum Stillstand.

Ich atmete durch. Sammelte mich. Überlegte. Erst einmal den Schaden begutachten. Noch immer war kein Verkehr auf der Bahn, nur einige zehn Meter vor und hinter mir standen andere Autos auf dem Seitenstreifen. Auch sie waren vom Eis überrascht worden und wie ich schnell verstand, hatten einige sich ineinander verkeilt und gegenseitig in Mitleidenschaft gezogen.

Ein weißer Audi mit starken Front und Seitenschaden auf der Fahrerseite
Mein geliebter Audi mit Totalschaden 🙁

Oha! Da hatte ich wirklich Glück gehabt! Denn aus den Gesprächen, die ich mit den Fahrern führte, wurde schnell klar, dass ihr Unfall nicht länger als fünf oder sechs Minuten zurücklag. Hätte mich der Regenbogen nicht zu einer Unterbrechung meiner Fahrt verführt, wäre ich mitten drin gewesen in einer Massenkarambolage! Und ob ich die nur mit Blechschaden überstanden hätte, wäre fraglich.

Mein Auto entpuppte sich zwar als Totalschaden, doch ich selbst war bis auf den Schrecken heil und gesund. Und genau darum glaube ich seitdem tatsächlich an meinen Schutzengel! Er – oder vielleicht ist er auch eine Sie? – schickte mir den Regenbogen! Damit ich genau die Minuten später dort ankam und alle drei Fahrbahnen für mich alleine hatte. Zum Schlittern, Rutschen, Querziehen. Wäre beim Querrutschen ein Auto von hinten in mich hineingeschliddert, ich wäre hochgeflogen und „wer weiß, was“ wäre passiert.

Als Motorradfahrerin fahre ich stets nach dem Motto „Fahre nie schneller als dein Schutzengel fliegen kann!“ Dass mich dieser Leitsatz beim Autofahren retten könnte, hätte ich vor diesem Vorfall nicht geglaubt. Seitdem habe ich meine Fahrweise deutlich angepasst. Fahre langsamer, schaue noch mehr nach vorn und vor allem rechne ich auch im Mai noch mit Schnee und Eis auf der Fahrbahn. Der Klimawandel ist da. Menschengemacht. Nun müssen wir auch die Konsequenzen durch angepasstes Verhalten tragen.

Ein Regenbogen über eine Straße, links und rechts davon Bäume. Darauf das Gedicht "Kontrollverlust" von Juli Norden
Mein Danke-Gedicht an meinen Schutzengel: Kontrollverlust (c) Juli Norden 23.05.21

Die Sache mit der Magie

Natürlich kann ich mir das alles auch nur einbilden. Mir meine Welt, meine Erlebnisse schönreden. Bedeutung hinein dichten, wo möglicherweise gar keine ist. Und jeder, der so argumentiert, hat Recht. Ich glaube nicht an Fügung, Vorhersehung, unsichtbare Kräfte, die unsere Lebensfäden ziehen.

Doch glaube ich an die Verbindung einer gewissen Wesentlichkeit. Der Wissenschaftler bezeichnet sie vielleicht als Magnetismus oder Energetik. Mir ist das egal. Für mich wohnt mein Papa jetzt hinter dem Mond und schaut ab und zu neugierig über seinen Rand und mein Schutzengel ist genau so stark, wie ich ihn brauche.

Ich bin dennoch kein spiritueller Mensch. Mir gehen die Astraltheologen und Esoteriker gehörig auf den Geist. Aber ich lasse sie einfach in Ruhe ihre Thesen haben. Ich habe meine und das ist gut so. Und wenn sie doch existiert, die Magie, dann freue ich mich einfach darüber, dass sie ihren feinen Glitzerstaub auch über meine Wege streut 🙂

Und wie geht es dir mit dem Thema Magie? Hast du auch schon Bemerkenswertes erlebt und möchtest das teilen? Mariannas Blogparade läuft noch bis zum 12.11.23 und auch ich bin neugierig. Also erzähl doch mal von dir! Gerne weiter unten in der Kommentarfunktion oder schreib mir eine E-Mail. Ich antworte, garantiert!


Liebe Grüße bis dahin,

Deine Gabi.


3 Kommentare

  1. Liebe Gabi,

    wow, was für tolle, magische Geschichten und so wunderschön erzählt! Ich fühlte mich, als wäre ich dabei gewesen. Lieben Dank für deinen Beitrag zu meiner Blogparade. Mir geht es so wie dir, manchmal bin ich einfach überwältigt von der grenzenlosen Schönheit und Intelligenz der Natur. Spannend finde ich, dass die moderne Forschung inzwischen vermutet, dass auf der tiefsten Ebene wirklich alles mit allem zusammenhängt (Einheitsfeldtheorie).

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